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Rakete durchschlägt 20 Stockwerke

10 Jan

 

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Kleiner Titel

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Kleiner Titel

Was sich in Zeichner und Buchautoren in einer Zeit, in der Raketen weder zum Mond flogen, noch für Terroranschläge genutzt wurden, für skurille Szenarien ausdachten, zeigt das köstliche Buch „The Rocket Book“ von dem amerikanischen Zeichner Peter Newell, der das Werk vor 100 Jahren publizierte. Newell illustrierte Klassiker, wie Twain und Caroll ebenso, wie für Zeitschriften und Magazine, die seine teilweise sehr drastischen und ironischen Zeichnungen liebten.

In diesem Fall findet also der Hausmeisterbengel im Keller eines  – sagen wir ca. 20-stöckigen Hochhauses – eine einfach herumliegende Rakete. Was machen Bengel in dem Alter? Klar, Streichholz dran, und dann mal sehen!

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Der Hausmeisterbengel

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Der Hausmeisterbengel

When Fritz, the Janitor’s bad kid,
Went snooping in the basement,
He found a rocket snugly hid
Beneath the window casement.

He struck a match with one fell swoop;
Then, on the concrete kneeling,
He lit the rocket and—she—oop!
It shot up through the ceiling.

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Raketenstart

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Raketenstart

Das geht natürlich nicht gut, die Rakete fegt durch sämtliche Stockwerke sennkrecht nach eben und richtet dabei nicht nur diversen Schaden an … Spielzeugeisenbahnen entgleisen ebenso, wie Schriftsteller plötzlich die Typen einer explodierenden Schreibmaschine um die Ohren fliegen. Klavierübungen werden unterbrochen und der frisch angerichtete Fischkopf wird atomisiert.

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– entsetztes Paar

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– entsetztes Paar

Das in diesem Buch derart Entsetzliches geschieht, gibt der Titel nicht her. Er suggeriert eher einen märchenhaften Inhalt, weil sich dem Betrachter natürlich erstmal nicht erschliesst, warum hier in der Decke ein Loch ist, durch das etwas rieselt, was durchaus … naja, Sterntaler sein könnten?

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Titel

The Rocket Book' (1912) by Peter Sheaf Hersey Newell ­­­– Titel

Zu guter letzt verschwindet aber die Rakete nicht im Orbit, sondern landet quasi auf dem Dachboden im Eiskübel, wo sie gefroren und unschädlich gemacht wird.

It plunged into a can of cream
That Billy Bunk was freezing,
And froze quite stiff, as it would seem,
And so subsided, wheezing.

Das ganze Buch ist im das Projekt Gutenberg zu finden, hochaufgelöste Scans hat Bibliodyssee im Programm.

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0105/2010

24 Nov

Nein, es geht nicht um den ersten Mai dieses Jahres. Es geht um ein kleines, feines und limitiertes Produkt, das ich seit kurzem in den Händen halte.

Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen

Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen

Drucker Martin Z. Schröder, den ich immer noch nicht zu besuchen geschafft habe, hat über ein dreiviertel Jahr an dem neuen Werk von Max Goldt ­­­– Nackt in einem Märchenschloß voll wirklich schlechter Menschen ­­­– gesessen und es Stück für Stück handgesetzt. OK, etwas Material kam aus der Maschinensetzerei des Museums für Arbeit in Hamburg, was die Sache aber handwerklich sogar runder macht.

Das Buch gibts (vielleicht noch …) hier und die Geschichte der Entstehung ist hier niedergeschrieben.

… die besten Wünsche zum Jahreswechsel mit einem Glockenton von Goethe habe ich mir dieses Jahr nebenbei auch noch gegönnt.


Les autos de Tintin

24 Mrz

Hergé, mit bürgerlichem Namen Georges Prosper Remi ist der unvergessene Schöpfer von Tim und Struppi, im Original hiessen die Comics Tintin (frz. umgangssprachlich übrigens für „garnichts“).

Hergé machte keine Zeichung ohne umfangreiche Recherchen. Sein Arbeitszimmer quoll über von Autoprospekten, Fachbüchern über Raumfahrt, Schiffskatalogen und Architekturmagazinen.

Seinem Rechercheaufwand und der jeweils auch damit verbundenen Aktualisierung seiner Werke ist übrigens ein ganzes Buch gewidmet: Auf den Spuren von Tim und Struppi von Michael Farr

Aber das soll hier nur nebenbei erwähnt werden.

Die Akribie, mit der Hergé zeichnete wirkte sich auf alle Objekte in seinen Comics aus. Besonders auf die Autos, Flugzeuge und Schiffe. Hier gibt es kein einziges Fantasieprodukt, sondern nur exakte Abbilder der Realität.

Tim im Amilcar, erster Band: Tintin au pays des Soviets

Der Zeichenstrich ist noch nicht ganz ausgereift. Das ist vermutlich eine Version des Amilcar Torpedo Ende der zwanziger Jahre, in echt sieht das Fahrzeug so aus.

Amilcar Torpedo 1927 — Bild von Tamorian, CC Namensnennung 3.0 Unported

Am Ende der Zeitleiste steht ein MG 1100, der in der dritten Version des Bandes „Die schwarze Insel“ auftaucht. dieses Auto ist bis in die siebziger Jahre unter verschiedenen Marken in ähnlicher Form gebaut worden.

MG 1100 (1968), Les neuf suivantes de "L'Ile Noire"

MG 1100 (1968), Les neuf suivantes de "L'Ile Noire"

Da ich keinen geeigneten MG 1100 mit vier Türen gefunden habe, hier ein zweitüriger 1300. Das Bild ist nebenbei bemerkt mit Absicht spiegelverkehrt dargestellt, damit man Details besser vergleichen kann.

MG 1300, 1968 — Charles01, CC Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Bislang sind 165 Fahrzeuge aus Hergés Comics identifiziert worden und sorgfältig aufgelistet auf der Seite von François de Dardel zu finden.

Mein Favorit ist natürlich der hier 😉

Landrover 109, "Tintin et les Picaros"

48h — Rostock (2) …… tierisches

20 Feb

Schlammgrauer Himmel in Warnemünde, Wasserlachen lösen Eisplacken ab, heftiger Wind seewärts.

Möwe — Warnemünde, 20. Februar 2010

Wasser: +0,5°, Luft: +1,0°, lediglich den Vögeln macht dieses Wetter nichts aus.

Schwan — Warnemünde, 20. Februar 2010

Besonderes Gedrängel der Möwen am Fischmarkt, wo der eine oder andere Leckerbissen abfällt.

Möwe im Flug — Warnemünde, 20. Februar 2010

Happy Birthday Photoshop

19 Feb

20 Jahre, davon 18 mit mir 😉

Splash Screen Photoshop 1.0

Trees

18 Nov

Der liebe Gott läßt so manches nicht ungestraft in den Himmel wachsen, aber wir können es tun. Im Handumdrehen, sogar ganze Bäume.

Ich habe die Scriptfähigkeit der CS-Familie lange nicht beachtet, ein oder zwei kleine Sachen für Acrobat Pro mal ausprobiert, die Begeisterung für Java-Scripte kam jetzt erst auf, als ich die japanische Seite von S.H mit ein paar simplen, aber sehr efektvollen und arbeitserleichternden Tools gefunden habe.

Passend zur Jahreszeit bauen wir uns also einfach ein paar trostlose, nackte Bäume in unseren Illustrator und das sieht dann so aus.

Kahle Bäume — erstellt mit Ilustrator Script

Das Script ist denkbar einfach aufgebaut und läßt sogar dem orientierungslosen User Spielraum für Modifikationen:

// Create the tree shape
 var pathRef = piRef.add();

 // I got the list of these points by first drawing the tree in Illustrator
 // I then displayed all point coordinates of the path using a script
 pathRef.setEntirePath( new Array(
 new Array(266.4619140625, 370.3046875),
 new Array(269.5244140625, 370.3046875),
 new Array(268.9619140625, 377.138671875),
 new Array(278.607421875, 375.66015625),
 new Array(273.607421875, 381.53515625),

Im oben abgebildeten Code kann man die Koordinaten der Usprungszeichung etwas wilder oder zahmer machen.

// Make a 50 trees
for ( i = 0; i != 50 ; ++i )

Oder hier die Zahl der Äste anpassen.

Dieses Script ist Teil einer Sammlung von Hiroyuki, der hier auf japanisch und hier auf englisch seine vielfältigen Scripts zum Download anbietet und auch komentiert. Ich habe die Scriptsammlung auf Illustrator CS2 Mac ausprobiert und alles zum Laufen bekommen.

Auf dem Friedhof der Neonröhren

16 Nov

Was passiert eigentlich mit Werbung, wenn sie nicht mehr gebraucht wird? Klar, Zeitungsbeileger, alles was am Samstag den Briefkasten verschmutzt, die Schweinebauchseiten, die wirft man eigentlich in den Papierkorb.

Etwas anders sieht es aus, wenn man von mannshohen Leuchtbuchstaben redet. Die landen im Schrott, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Hertie etwa. Gerade in die Pleite abgewickelt, sind sämtliche Insignien dieser Marke natürlich nichts mehr wert. Also weg damit, in drei Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern.

Wenn da nicht die Truppe um Barbara Dechant und Anja Schulze vom Buchstabenmuseum wäre, die sich genau diesem Genre verschrieben hat. Sie sammeln Buchstaben und Schriftzüge von alten Lichtreklamen und anderen markanten typografischen Landmarken.

Buchstabenmuseum-Hertie

Hertie-Logo im buchstabenmuseum — irgendjemand hat am kleinen e geknabbert ...

Lange Zeit ist er einem förmlich entgegengekommen, wenn man die Leipziger Strasse Richtung Alex gefahren ist — der markante gelbe Schriftzug von Ebbinghaus, dort, wo die Strasse einen leichte Linkskurve machte. Eines Tages war er nicht mehr da. Weil das ganze Gebäude abgerissen wurde. Ebbinghaus war, nebenbei erwähnt, ebenso pleite, wie Hertie. Und wo sist die grosse Leuchtwerbung geblieben? Praktischerweise fast an Ort und Stelle, nur leider etwa derangiert.

Das Buchstabenmuseum in Berlin ist ein Ort an einem Unort. In der Leipziger Strasse 49, nur über einen Seitengang zu erreichen, in einem Stadtviertel, der mehr als tot ist, wo Axel Springer über die ehemalige Randbebauung der Hauptstadt der DDR lugt, liegen im Schaudepot typografische Schätze und warten auf eine Wiederbelebung.

Buchstabenmuseum-Ebbinghaus

Überblick Schauraum 1 im Buchstabenmuseum Berlin — Klick macht gross (6 MB)

Das Schaumuseum umfaßt nur zwei Räume in denen eine unglaubliche Vielfalt von Buchstaben und anderen schriftgestalterichen Schätzen. Aufgrund der technischen Vorgaben überwiegen zwar die Sans Serif-Schriften, aber auch das eine oder andere Beispiel aus der Fraktur liegt hier herum. Man muss sich einfach trotz der Enge die Zeit nehmen, um eine kleine Reise in die Vergangenheit zu machen. Die alte Beschriftung des Hauptbahnhofs von Berlin (heute Ostbahnhof) liegt neben der U-Bahn-Leuchtschrift vom Bahnhof Frankfurter Tor. Blaupunkt findet sich neben AEG und die berühmten Zierfische finden sich in illustrer Gesellschaft der gebrochenen Typo der Zille-Stuben.

Buchstabenmuseum-Sammelsurium

Buchstabenmuseum Berlin, Sammelsurium — Klick macht gross (6 MB)

Wer also an dem einen oder anderen Sonnabend Zeit hat, sollte ruhig mal eine Stunde Zeit einplanen, um bei den stummen Zeitzeugen der vergangenen Reklamewelt eine kleine Pause einzulegen.

Buchstabenmuseum — Detail

Es lohnt sich, den Blick ein wenig von der Gestaltung weg zur Technik zu machen, denn es ist fast Tand, das Gebilde von Menschenhand, das aus der Nähe betrachtet nichts von der Faszination zeigt, die bei Betrachtung aus der Ferne bei Dunkelheit wirkt.

Drähte, Kabel, filigrane selbstgebastelte Halteklammern, handgebogene Bleche und natürlich mundgeblasene Neonröhren. Das ist der Charme einer Zeit, die zusehends von LED-Leuchten abgelöst wird. LEDs sind leichter und billiger zu verarbeiten, verbrauchen weinger Strom und werden wahrscheinlich in absehbarer Zeit die letzten Neonreklamen ablösen.

Damit sind dann auch die Zeiten vorbei, in denen der Held aus B-Movies in Hotelzimmern vor flackernder oder gar funkensprühender Reklame posiert.

Buchstabenmuseum Berlin, wechselnde Öffnungszeiten, Details siehe Homepage

 

 

Nachtrag … die abgefressene Hertie-Schrift ist dem Stitcher von Photoshop zu verdanken, der aus den drei Einzelbildern etwas … sozusagen … unvorhergesehenes gezaubert hat.

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