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Die ehemalige Volkspolizeikaserne am Blankenburger Pflasterweg

11 Jun

Wenn man auf einer beschaulichen Landpartie im Nordosten Berlins unterwegs ist, rechnet man zwischen den vielen angenehmen Anblicken die einem sich bieten nicht damit, mit den Relikten des Horrors konfrontiert zu werden.

Buch mit Schloßpark, Künstlerhof und Dorfkirche, Karow, weite Ausblicke ins Land, wogende Kornfelder und entspannte Golfspieler. Und dann Blankenburg; hinter seit fünfzehn gewachsenen Bäumen und Büschen lugen leere Fensterhöhlen hervor. Gut versteckt inzwischen, aber immer noch sichtbar.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Das Areal am Blankenburger Pflasterweg beherbergte mehrere Objekte. Zum einen ein Wohnheim für Studenten der Ingenieurschule (auch Bauernuniversität genannt), die auf der anderen Strassenseite gegenüber lag – nach der Wende FHTW, zum anderen einen Kasernenteil, der nur sporadisch und nicht in vollem Umfang von der Volkspolizei genutzt wurde. Optisch ist die Aufteilung an den Zaunresten noch deutlich zu erkennen, die Kaserne hatte einen Sichtschutz und im hinteren Teil genug Garagen,  um mindestens 50 Mannschaftswagen unterzubringen.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Es sind zwei Tatsachen, die diesen Standort nach der Wende bekannt gemacht haben. Zum einen ist die Kaserne als zusätzlicher „Zuführungspunkt“ bei den Demonstrationen am 7. Oktober 1989 benutzt worden, weil die Kapazitäten im Berliner Innenstadtbereich nicht mehr ausreichten.

Ein Teil der Häftlinge wurde ab 19 Uhr zur Entspannung der Situation in ein kurzfristig eingerichtetes Reserveobjekt der Volkspolizei in der Bereitschaftspolizeikaserne Blankenburger Pflasterweg im Nordosten Berlins verlegt. Die Menschen wurden beim Transport mit Sprüchen wie „Jetzt fahrn wir euch auf die Müllkippe!“ verängstigt, nach ihrem Eintreffen schikaniert oder geschlagen, mussten Kniebeugen machen, im Entengang durch die Gänge laufen, sich entkleiden, in Fliegerstellung (Anm.: Beine gespreizt, mit ausgebreiteten Armen an der Wand abgestützt) ausharren. [Zitat aus: Strafvollzug zwischen Wende und Wiedervereinigung: von Birger Dölling, Google Books]

Das war das letzte Aufbäumen der DDR, einen Monat später waren solche Einrichtungen ja mehr oder weniger hinfällig. Dennoch war die Tatsache, dass im Oktober 1989 ein solches Objekt quasi sofort zur Verfügung stand, kein Zufall. Der Kasernenkomplex war seit Anfang der achtziger Jahre als Internierunglager für verdächtige Subjekte im Hoheitsbereich der DDR vorgesehen. Die Einsatzbereitschaft musste innerhalb kürzester Zeit hergestellt werden können.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

In der taz Nummer 3780 vom 12.8.92 erschien ein Artikel dazu, der im taz-Archiv leider nicht mehr auffindbar ist.

"Im Krisen- und Verteidigungsfall sollte das Wohnheim am Blankenburger  
Pflasterweg zum Internierungslager fuer rund tausend dem Regime suspekte  
Auslaender umfunktioniert werden. Das geht aus den Unterlagen des  
Ministeriums fuer Staatssicherheit (MfS) hervor, die vor kurzem in der  
Gauck-Behoerde gefunden wurden.

Die Geheime Kommandosache trug das Aktenzeichen F/1 267 592 und 
den Titel "Plan der Ueberfuehrung in den Verteidigungszustand - Bezirk Ber=
lin".  
Sechs Monate vor der Wende wurde das Papier am 5. April 1989 vom  
Vorsitzenden der Bezirkseinsatzleitung in Berlin, dem SED- Funktionaer  
Guenter Schabowski, abgezeichnet. Als Massnahme mit der Nummer 44 wird  
darin die "Herstellung der Aufnahmebereitschaft des Internierungslagers,  
Wohnheim Blankenburg" aufgefuehrt. Position 45 weist die Einrichtung von  
"Internierungs-Sammelstellen in den Stadtbezirken" aus.

[ ... ]

Als erstes galt es der Planung zufolge, eine funktionierende Verwaltung  
aus dem Boden zu stampfen. Block 1 und 2 des Arbeiterwohnheimes 
mussten 24 Stunden nach Befehlserteilung fuer die Internierung zur 
Verfuegung stehen, die uebrigen drei Tage spaeter.

Die Lagerinsassen sollten einer "Interniertenverwaltungsorganisation"  
unterworfen werden. Einmal eingesperrt, sollten die Auslaender einen  
"Interniertenausschuss" waehlen. Stasi-erwuenscht war eine strenge  
Lagerhierarchie, an deren Spitze ein Lagerverantwortlicher mit  
Stellvertreter, mehrere "Sektionsverantwortliche" und ihnen  
untergeordneten "Blockverantwortliche" stehen sollten. Zudem - auf jedem  
Stockwerk der dreigeschossigen Plattenbauten noch je ein  
"Etagenverantwortlicher". Mit dieser Hierarchie sollte der "maximale  
Einsatz von Internierten zu Sicherstellungs- und anderen Arbeitsleistungen=
innerhalb des Internierungslager" gewaehrleistet werden.

Entsprechend den Planungen, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den
anderen Bezirken der DDR durchgefuehrt wurden, waere das Lager unmittelbar
dem Polizeipraesidium in Berlin unterstellt worden. Mit einer Ausnahme,  
der sogenannten "Operativgruppe". Nach der "Entfaltung des  
Internierungslagers" waere diese direkt an die Befehlsstrukturen der  
Abteilung VII der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin angegliedert worden.

Der komplette Artikel ist hier zu finden (Ende der Seite)

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Das Internierungslager ist glücklicherweise nie Realität geworden, aber auch der normale Alltag läßt einem den Schauer über den Rücken laufen. Neben der 10. VP-Komanie (FDJ Grundorganisation Rudolf Tittelbach) war dort die zentrale Waffenwarkstatt des MdI stationiert. Gleichfalls befand sich dort ein Versorgungslager des PdVP.

Das Objekt unterstand dem Stellvertreter des Ministers für Versorgungsdienste (RD) im MdI. Im weiteren wurden im Objekt selber Einheiten der Zentralen Kräfte Schutzpolizei vorgehalten. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Wachen durch die 19. VP-Bereitschaft Basdorf gestellt. (Informationen aus einem Forum)

Eigentlich noch ein beruhigendes Zeichen, dass diese Relikte der Diktatur inzwischen geplündert, gebrandschatzt und sich selbt überlassen sind, ein klein wenig mehr Mahnung dürfte aber gerade an solchen Orten noch sein.

Disclaimer: Ich habe die Links in diesem Beitrag auf diesen Artikel bezogen gesetzt, identifiziere mich aber nicht mit den restlichen Inhalten der angegebenen Seiten.

Tristesse am Gleisdreieck

23 Mai

Vier oder fünf Fußminuten von dem Ort entfernt, an dem ich mir meine Brötchen verdiene, dem Potsdamer Platz, beginnt ein Gelände, dass eigentlich seit 1945 keine wirklich nützliche Verwendung mehr hatte.

In der Linkstrasse war der Potsdamer Bahnhof nebst Potsdamer Ringbahnhof, kurz dahinter der Anhalter Bahnhof, gefolgt vom Anhalter Güterbahnhof (in dessen letzten alten Schuppen sich jetzt das Technikmuseum mehr Raum verschafft hat), dazu gab es die riesigen Flächen des Betriebswerks des Anhalter Bahnhofs, des Potsdamer Aussenbahnhofs, des Dresdner Güterbahnhofs, des Wannseebahnhofs und des Postbahnhofs  und oben drüber schwebten die Hochbahngleise der Linien, die zum U-Bahnhof Gleisdreieck führten. Alles in allem ein unwahrscheinlich grosses Industriegebiet.

Einen Überblick gibt der Westermann-Stadtplann von 1932.

Die Bahnhöfe und die Infrastruktur haben das Kriegsende nur bedingt überlebt, wie jeder weiß, wurde der Anhalter Bahnhof nur noch rudimentär wieder in Betrieb genommen und letztendlich 1959 gesprengt. Danach begann die paradiesische Zeit des Geländes. Jahrzehntelang kümmerte sich wirklich kein Mensch um die am Stadtrand des damaligen Westberlins befindliche Grünbrache. Ein Biotop und gleichzeitig Freiluftmuseum enstand. Gleisanlagen, zufällig liegengebliebene Waggons, Infrastruktur, wie Gebäude, Wagenmeistereien, Stellwerke, Drehscheiben, Lokschuppen. Alles war sich selbst überlassen.

Bernd Mühlstraßer war als 16jähriger Schüler 1980 in Berlin und hat unter anderem damals das überwucherte Gelände besucht und fotografiert.

Yorckbrücken 1980 – Foto von Bernd Mühlstraßer

 

Der U-Bahnhof Gleisdreieck, der über alle dem trohnt, hat auch wechselhafte Zeiten hinter sich. Die Linie nach Kreuzberg fuhr ja weiterhin (und machte Furore als Musical „Linie1“), die Linie 2, die hinterm Gleisdreieck nach Mitte fuhr, war abgeklemmt, auf einem kleinem Abschnitt fuhr eine Strassenbahn, die Flohmarktbesucher zum Bülowplatz karrte. Später entschied sich der Senat dafür, eine Magnetbahn (M-Bahn) vom Gleisdreieck zum Kemperplatz fahren zu lassen, wofür der stillgelegte Bahnsteig wiedereröffnet wurde. Dieser Bahn war durch die Maueröffnung und durch Unfälle ohnehin kein langes Leben beschert. (Stände sie noch, würde sie jetzt direkt durch mein Büro fahren ….)

Gleisdreieck 1980, vergessener preussischer Waggon – Bild Bernd Mühlstraßer

 

Was auf dem Erdboden unter der Hochbahn passierte, interessierte wenige. In den Gleisbögen, die auf verschiedenen Wegen zum Potsdamer Platz führten, siedelten sich die üblichen Kleingewerbler an. Autowerkstätten, Lagerbetriebe, Schilderdrucker, Sackhandel, Blechbieger und dergleichen. Im Gelände dösten derweil die hinterlassenen Waggons preussischer Herkunft und zerfielen im Laufe der Jahre. In den Gebäuden wohnten Leute, die man damals als „Gammler“ bezeichnete, Kreuzberger Teenies rauchten ihre erste Zigarette hier und über diverse verlorene Unschuld darf man ruhig spekulieren. Platz war allemal genug vorhanden.

    Gleisdreieck 1980, vergessener preussischer Waggon - Bild Bernd Mühlstraßer

Gleisdreieck 1980, vergessener Waggon – Bild Bernd Mühlstraßer

 

In den siebziger Jahren wurden die architektonisch und ingenieurtechnisch interessanten Pendelstützen der Brücken über die Yorckstrasse in Kreuzberg mit Beton ummantelt, damit sie für Autofahrer nicht mehr so gefährlich waren. Der letzte Anstrich dieser Brücken erfolgte noch in den vierziger Jahren ….

Information über den Brückenanstrich an den Yorckbrücken in Berlin Kreuzberg

Information über den Brückenanstrich an den Yorckbrücken in Berlin Kreuzberg

 

Die Reste des BW mit Wasserturm gammelten ohne Aussicht auf Zukunft vor sich hin. Heute ist das Technikmuseum auf einem Teil des Areals, der Wasserturm existiert noch. 1980 sah das so aus.

Gleisdreieck 1980, Wasserturm des BW - Bild Bernd Mühlstraßer

Gleisdreieck 1980, Wasserturm des BW – Bild Bernd Mühlstraßer

 

Zeitsprung. Mai 2012. Fangen wir an der Dennewitzstrasse an. Ehemals waren an der Seite, die dem Gleisdreiecksgelände zugewandt waren, etliche Gewerbebetriebe. Heute: Alles verlassen.

Tristesse am Gleisdreieck, leerstehender Kfz-Betrieb - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, leerstehender Kfz-Betrieb – 22.Mai 2012

 

Zugetünchte Fenster.

Tristesse am Gleisdreieck, zugetünchte Fenster - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, zugetünchte Fenster – 22.Mai 2012

 

Ein paar Schritte die Strasse herunter, grünt zwar ein mächtiges Gewächs, aber wohnen möchte man so doch wirklich nicht. Oder?

Tristesse am Gleisdreieck, Dennewitzstrasse - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, Dennewitzstrasse – 22.Mai 2012

 

Aus welchen Gründen auch immer …. der Senat hats beschlossen oder die Bahn mußte mal wieder eine Ausgleichsfläche für ihreHochgeschwindigkeitstrassen schaffen oder die Grün-Berlin GmbH brauchte Geld … das verwunschene Gelände unter und ums Gleisdreieck wird jetzt mit wissenschaftlicher Fachbegleitung zu einem PARK umgebaut. und das sieht dann so aus:

Tristesse am Gleisdreieck, Arbeiten am Park - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, Arbeiten am Park – 22.Mai 2012

 

Auch im nächsten Bild sind eindeutig blühende Landschaften zu sehen ….

Tristesse am Gleisdreieck, Arbeiten am Park - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, Arbeiten am Park – 22.Mai 2012

 

Der bereits fertiggestellte Teil des „Parks am Gleisdreieck“ ist zu schrecklich geworden, als dass ich ihn hier jetzt mit Bildern zeigen möchte. Da darf jeder bitte selber googlen. Mir waren ja sogar die Beachvolleyballfelder lieber als das jetzt hier.

Was an der Luckenwalder Strasse mit den alten Gleisbögen passieren wird, ist fast vorhersagbar. In Benutzung ist keiner mehr, und anstatt hier nochmal ein Nutzungskonzept zu überlegen, wird das letzte Stück Gleistrasse, das mal zum Wannseebahnhof führte und schon abrupt von diesem komischen Parkhaus am Mendelsohn-Bartholdy-Park angeknabbert wurde, wahrscheinlich Ende 2012 Geschichte sein.

Tristesse am Gleisdreieck, Gleisbogen 37 - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, Gleisbogen 37 – 22.Mai 2012

Meint man, der Tristesse dann endlich entkommen zu sein, fällt der letzte Blick auf die Gebäude am Ende der Luckenwalder Strasse und man geht dann doch nicht wirklich versöhnt heim.

Tristesse am Gleisdreieck, Brandmauern - 22.Mai 2012

Tristesse am Gleisdreieck, Brandmauern – 22.Mai 2012

 

Vielen Dank an Bernd Mühlstraßer aus Oberammergau für die Erlaubnis, seine Bilder benutzen zu dürfen. Der Originalartikel mit etws mehr Hintergrund ist aus der Drehscheibe-Online abrufbar

 

 

 

 

Die Lust am Verfall

20 Nov

… oder „the Fascination of decay“.

Was treibt jemanden, wie mich immer wieder in die Abseiten von Berlin? Schwierig das jemandem anders zu erklären.

Mit dem Zug in einer Stunde, mit dem Auto teilweise in 30 Minuten erreichbar, kommt man an Stätten, die innerhalb der Stadt oder an ihrem Rand verfallen. Meistens seit 1990 oder kurz danach. Mal nicht mehr benötigt, mal überflüssig, nicht gewollt, mal undankbares Erbe in fast jedem Fall von den Zeitläuften überholt.

Lungensanatorien braucht man schlicht und ergreifend nicht mehr. Fliegerhorste ebensowenig. Auch sind Irrenanstalten und Ballsäle nicht mehr auf der Liste der bevorzugten Ziele unserer heutigen Gesellschaft.

Dennoch existieren sie. Mitten unter uns. Leider zerfallen. Der Zerfall, der noch im leisen Hauch mitteilt, was hier mal gewesen ist, fasziniert mich und hier sind ein paar Aufnahmen aus den letzten Monaten, die diese Faszination vermitteln sollen.

Ortsnamen lasse ich mal weg, die Zahl derer, die sich dem Eindruck entziehen und nur plündern, marodieren und am Ende Feuer legen, ist mir zu gross.

Fascination of Decay - Sanatorium 2011 - 11

Fascination of Decay - Sanatorium 2011 - 11

Das Bild oben Bild zeigt einen Saal für Feiern oder auch Mahlzeiten in einem Sanatorium. Da der Ort so tief im Wald abseits jeglicher Anbindung liegt, ist hier weder Graffitti noch Metallklau zu bemerken.

Fascination of Decay Gaswerk Berlin - 11-2011

Alte Gasfabrik. Bei meinem Fototermin bog ich um eine Gebäudeecke und schreckte zwei sehr leicht bekleidete Damen mitsamt Fotograf aus ihrer Session …

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

Schätzungsweise WBS 70 … bei 500.000 sowjetischen Soldaten nebst Familienanhang bei Offizieren reichte das bislang requierierte Gebäudematerial nicht.

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

Appellplatz vermutlich. 17 Jahre ungenutzt.

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

… Das Tischgestell ist sicherlich nicht von Eiermann.

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

Fascination of Decay - Fliegerhorst bei Berlin - 11-2011

Hangars im Abendlicht.

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 11-2011

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 11-2011

… was das jetzt für einen Sinn hatte, ist mir bislang auch schleierhaft. Jedenfalls war zehn vor fünf Ende!

Fascination of Decay - Tanzsaal - 2001 - 11

Fascination of Decay - Tanzsaal - 2001 - 11

Hier wurde noch bis Mitte der Neunziger getanzt und gefeiert ….

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 2001 - 11

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 2001 - 11

Die Natur holt sich alles zurück!

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 2001 - 11

Fascination of Decay - Irrenanstalt - 2001 - 11

Und am Ende: Händewaschen nicht vergessen!

Südlich vom Südgelände

13 Mrz

Berlin war ja mal ein grosse Eisenbahnstadt. Der Flächenbedarf für die gesamte Infrastruktur einer Bahn mit Betriebs- und Ausbesserungswerken, Bahnhöfen, Rangier- und Abstellflächen war gigantisch. Vieles ist dem generelen Strukturwandel und auch der Wiedervereinigung zum Opfer gefallen, an einigen Stellen (BW Pankow) kann man noch die Ausdehnungen ahnen und manches hat sich der Mensch sogar bewahrt. Wie das Südgelände in Schöneberg.

Da darf aber der Hund nicht rein und zudem sind mir da zu viele Menschen, der Zerfall ist für meinen Geschmack etwas zu künstlich und ausserdem war ich da schon.

Aber. Der Letzte Zipfel vom ehemaligen Rangierbahnhof Tempelhof ist eine echte Wildnis. Und da gehen wir heute mal spazieren.

Der Rangierbahnhof Tempelhof, eine typische Bahnwüste, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg schrittweise bis 1952 stillgelegt. In nur 50 Jahren entwickelte sich mitten in der Großstadt eine vielfältige, artenreiche Naturoase. Mit der Zeit entstanden wertvolle Trockenrasen, dschungelartige Wälder und Staudenfluren. [bis hierhin hab ich abgeschrieben] Im südlichsten Bereich dieses Geländes, zwischen den s-Bahnhöfen Attilastrasse und Priesterweg, hat der Mensch noch wenig Spuren hinterlassen.

Am Stellwerk an der Attilastrasse gehts los. Viel ist hier nicht zu sehen. Auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Ein Blick unter die Galerie auf der Rückseite bringt doch noch Relikte zutage: Seilscheiben über die früher die Signaldrähte liefen.

 

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Seilscheiben am Stellwerk Attilastrasse — 7.März 2011

 

Das Verbindungsgleis von der S-Bahn zur Dresdner Bahn schein noch ab und an benutzt zu sein, es ist frei von Rost und die Trasse ist freigeschnitten. Die Weichenlaterne vom VEB Schiffslaternenwerk in Ueckermünde hat auch schon vierzig Jahre auf dem Buckel.

 

2001-März-7-Atillastrasse-Weichenlaterne-600

Weichenlaterne 1970 — 7. März 2011

 

Nur ein paar Meter weiter ist totale Wildnis. Hier liegt alles, wie es von selbst zusammengefallen ist.

 

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Signalschrott — 7. März 2011

 

Reste einer Stromschienenabdeckung – noch aus Holz.

 

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Hölzerne Stromschienenabdeckung — 7. März 2011

 

Ein paar Schritte weiter eine alte Wärterbude aus Wellblech …

 

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Wärterbude — 7. März 2011

 

… und kurz dahinter das Signal, das wahrscheinlich die letzten dreissig Jahre auf Halt gestanden hat.

 

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Formsignal auf Halt — 7. März 2011

 

Weiter in Richtung Norden ändert sich jetzt das Bild der Trasse. Man kommt plötzlich auf ein hoch verkrautetes Planum, in dem die Bäum aber auch schon ca. 5 Jahre alt sind. Rechts und links im Abstand zweier Gleise stehen Tragwerksmasten für den elektrischen Fahrdraht. In der Ferne wird der Wasserturm vom Südgelände sichtbar.

 

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Trassenvorbereitung Dresdner Bahn — 7. März 2011

 

Hier werden die bereits vor Jahren getätigten Vorbereitungen für die Trasse der Dredner Bahn nach Schönefeld sichtbar. Ein paar Meter weiter ist dann auch schon Ende Gelände. Hier beginnt das Kreuzungsbauwerk. Ginge man hier weiter (was natürlich streng verboten ist) käme man auf dem Südgelände wieder auf den Erdboden. Da Hunde aber, wie bereits erwähnt, dort nichts zu suchen haben, kehren wir wieder um.

 

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Begin des Kreuzungsbauwerks südlich Priesterweg — 7. März 2011

 

 

Am Stadtrand

6 Mrz

Der Hund soll ja auch mal was anderes sehen, als immer nur Görlitzer Park und Hasenheide. Deshalb fahren wir heute mal ein Stück mit  der U7.

Lipschitzallee.  Wenn man ein paar Schritte geht, könnte der Kontrast nicht grösser sein …

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Gropiusstadt — 6. März 2011

… man fragt sich unwillkürlich „wer hat denn das hierhin gestellt?“

Richtung Schönefeld, wie es meine eigentliche Idee war, ging es nicht. Alles zu. Neben der Deponie läuft auch noch die vergitterte Trasse der Baulogistik für BBI.

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Mülldeponie nahe Gropiusstadt — 6- März 2011

Und dann läuft da jemand auf die Müllberge mit einem Rucksack, als wolle er sechs Wochen darauf übernachten.

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Müllbergbezwinger — 6. März 2011

Könnte ein Kiteflieger sein, der Wind war jedenfalls danach.

Dem Hund wars egal. Er hat nur mal wieder eindrucksvoll seine Fähigkeit zum Mimikry unter Beweis gestellt.

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Ton in Ton — 6. März 2011

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