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Phosphatwerk

11 Mrz

Das Wetter ist grau, es wird Herbst, das Gemüt ist ebenso grau, diese Bilder haben keine Farben.

„Warum tust Du Dir das an“, werde ich gefragt, „das kann Deine Stimmung doch auch nicht heben?“

Doch, ein kleiner Spaziergang auf dieser Insel bläst mit dem Herbstwind auch trübe Gedanken aus dem Hirn. Das Bewußtein, hier völlig allein zu sein, umgeben von riesigen verfallenen Palästen, klärt den Kopf.

Im Phosphatwerk, Übersicht —22. September 2012

Im Phosphatwerk, Übersicht —22. September 2012

Das Werk liegt auf einer Insel. Man kann die Strassenbrücke entlang gehen und landet am Werkstor vor dem verschlossenem Haupteingang. Man kan hinterrücks über den Eisenbahnanschluß den schmalen Kanal überqueren und steht plötzlich mittendrin.

Im Phosphatwerk, Gebäudefront—22. September 2012

Im Phosphatwerk, Gebäudefront—22. September 2012

Die Anlage ist gewaltig, himmelstürmend. Der Bedarf an künstlichen Düngemitteln für die junge Republik war enorm, die Landwirtschaft hatte Forderungen und Bedarf. Dafür wurde diese Fabrik gebaut.

Im Phosphatwerk, zwei Türme – 22. September 2012

Im Phosphatwerk, zwei Türme – 22. September 2012

Hauptsächlich wurde hier Kieserit behandelt. Auszug aus der Wikipedia:  Kieserit ist ein sulfatischer Magnesium– und Schwefeldünger der K-S KALI GmbH mit 25 % wasserlöslichem Magnesiumoxid und 20 % wasserlöslichem Schwefel.

Im Phosphatwerk, Kieseritlager – 22. September 2012

Im Phosphatwerk, Kieseritlager – 22. September 2012

Es ist wie immer ein ziemlich brutaler Eindruck, der sich bei mir einbrennt. Diese unglaublich überdimensional grossen Gebäude und Werkstätten, die menschenleer vom Wind durchpfiffen ihren Ende entgegensehen. Und das völlige Unverständnis, dass man hiermit nichts mehr hätte anfangen können. Herrjeh, was habe ich in den letzten Jahren für verlassene Orte gesehen, an denen vielleicht noch Rettung für irgendwelche Projekte gewesen wäre …..

Im Phosphatwerk, Grosse Halle – 22. September 2012

Im Phosphatwerk, Grosse Halle – 22. September 2012

Obwohl ich ja (unter anderem) eine handfeste Ingenieurausbldung hinter mir habe, hilft mir mein Schiffbauerwissen bei der Betrachtung des Dachbodens im 7. Stockwerk auch nicht weiter, der Eindruck einer irgendwie missplazierten Kegelbahn drängt sich einem unwillkürlich auf.

Im Phosphatwerk, Kegelbahn– 22. September 2012

Im Phosphatwerk, Kegelbahn– 22. September 2012

Was dieses Areal von anderen unterscheidet, ist zum einen die Entfernung zur Zivilisation, was sich in der bemerkenswert geringen Anzahl von Graffittis widerspiegelt, zum anderen (durch ersteres bedingt) durch die Gegenwart von Artefakten, die noch einen Teil der Historie darstellen. Und seien es schnöde Sicherheitshinweise.

Im Phosphatwerk, Sicherheitshinweise – 22. September 2012

Im Phosphatwerk, Sicherheitshinweise – 22. September 2012

Der Himmel ist noch immer grau …. ein Blick zurück zeigt noch mal die kalte Schulter vom alten Kalkwerk.

Im Phosphatwerk, Halle – 22. September 2012

Im Phosphatwerk, Halle – 22. September 2012

 

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Rhinstrassen-Blues

13 Jul

Rhinstrasse, Allee der Kosmonauten, es gibt wohl schönere Stellen im Berliner Stadtbild. Diese Gegend ist gewachsen, weil auch Ostberlin dringend Wohnraum schaffen mußte. Lichtenberg, Marzahn sind die Antworten aufs Märkische Viertel, die Stadtrandsiedlung oder dei von Christiane F. bekannte Gropiussatdt.

Im Gegensatz zu ihren Pendants im Westen ist die durchgängige Nutzung der Platten im Ostteil der Stadt aber nicht überall gegeben. Wie hier an der Rhinstrasse weiter oben ….

Rhinstrassen-Blues 3

Rhinstrassen-Blues – Rhinstrasse, Berlin Lichtenberg, 25. Juni 2012

 

Zwischen Gebrauchtwagenhändlern, Großhandelsmärkten, der Pyramide im Norden und dem Krankenhaus Elisabeth-Herzberge im Süden dämmert diese Platte vor sich hin.

 

Rhinstrassen-Blues - Rhinstrasse, Berlin Lichtenberg, 25. Juni 2012

Rhinstrassen-Blues – Rhinstrasse, Berlin Lichtenberg, 25. Juni 2012

 

Man baut, zweifelsohne. Vielleicht hat das Haus ja Glück und wird ein begehrtes Objekt, villeicht bleibt es aber auch als Ruine, so wie viele andere Platten. Die Zeit für WBS70 ist langsam abgelaufen.

 

Rhinstrassen-Blues - Rhinstrasse, Berlin Lichtenberg, 25. Juni 2012

Rhinstrassen-Blues – Rhinstrasse, Berlin Lichtenberg, 25. Juni 2012

 

 

Die ehemalige Volkspolizeikaserne am Blankenburger Pflasterweg

11 Jun

Wenn man auf einer beschaulichen Landpartie im Nordosten Berlins unterwegs ist, rechnet man zwischen den vielen angenehmen Anblicken die einem sich bieten nicht damit, mit den Relikten des Horrors konfrontiert zu werden.

Buch mit Schloßpark, Künstlerhof und Dorfkirche, Karow, weite Ausblicke ins Land, wogende Kornfelder und entspannte Golfspieler. Und dann Blankenburg; hinter seit fünfzehn gewachsenen Bäumen und Büschen lugen leere Fensterhöhlen hervor. Gut versteckt inzwischen, aber immer noch sichtbar.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Das Areal am Blankenburger Pflasterweg beherbergte mehrere Objekte. Zum einen ein Wohnheim für Studenten der Ingenieurschule (auch Bauernuniversität genannt), die auf der anderen Strassenseite gegenüber lag – nach der Wende FHTW, zum anderen einen Kasernenteil, der nur sporadisch und nicht in vollem Umfang von der Volkspolizei genutzt wurde. Optisch ist die Aufteilung an den Zaunresten noch deutlich zu erkennen, die Kaserne hatte einen Sichtschutz und im hinteren Teil genug Garagen,  um mindestens 50 Mannschaftswagen unterzubringen.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Es sind zwei Tatsachen, die diesen Standort nach der Wende bekannt gemacht haben. Zum einen ist die Kaserne als zusätzlicher „Zuführungspunkt“ bei den Demonstrationen am 7. Oktober 1989 benutzt worden, weil die Kapazitäten im Berliner Innenstadtbereich nicht mehr ausreichten.

Ein Teil der Häftlinge wurde ab 19 Uhr zur Entspannung der Situation in ein kurzfristig eingerichtetes Reserveobjekt der Volkspolizei in der Bereitschaftspolizeikaserne Blankenburger Pflasterweg im Nordosten Berlins verlegt. Die Menschen wurden beim Transport mit Sprüchen wie „Jetzt fahrn wir euch auf die Müllkippe!“ verängstigt, nach ihrem Eintreffen schikaniert oder geschlagen, mussten Kniebeugen machen, im Entengang durch die Gänge laufen, sich entkleiden, in Fliegerstellung (Anm.: Beine gespreizt, mit ausgebreiteten Armen an der Wand abgestützt) ausharren. [Zitat aus: Strafvollzug zwischen Wende und Wiedervereinigung: von Birger Dölling, Google Books]

Das war das letzte Aufbäumen der DDR, einen Monat später waren solche Einrichtungen ja mehr oder weniger hinfällig. Dennoch war die Tatsache, dass im Oktober 1989 ein solches Objekt quasi sofort zur Verfügung stand, kein Zufall. Der Kasernenkomplex war seit Anfang der achtziger Jahre als Internierunglager für verdächtige Subjekte im Hoheitsbereich der DDR vorgesehen. Die Einsatzbereitschaft musste innerhalb kürzester Zeit hergestellt werden können.

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

In der taz Nummer 3780 vom 12.8.92 erschien ein Artikel dazu, der im taz-Archiv leider nicht mehr auffindbar ist.

"Im Krisen- und Verteidigungsfall sollte das Wohnheim am Blankenburger  
Pflasterweg zum Internierungslager fuer rund tausend dem Regime suspekte  
Auslaender umfunktioniert werden. Das geht aus den Unterlagen des  
Ministeriums fuer Staatssicherheit (MfS) hervor, die vor kurzem in der  
Gauck-Behoerde gefunden wurden.

Die Geheime Kommandosache trug das Aktenzeichen F/1 267 592 und 
den Titel "Plan der Ueberfuehrung in den Verteidigungszustand - Bezirk Ber=
lin".  
Sechs Monate vor der Wende wurde das Papier am 5. April 1989 vom  
Vorsitzenden der Bezirkseinsatzleitung in Berlin, dem SED- Funktionaer  
Guenter Schabowski, abgezeichnet. Als Massnahme mit der Nummer 44 wird  
darin die "Herstellung der Aufnahmebereitschaft des Internierungslagers,  
Wohnheim Blankenburg" aufgefuehrt. Position 45 weist die Einrichtung von  
"Internierungs-Sammelstellen in den Stadtbezirken" aus.

[ ... ]

Als erstes galt es der Planung zufolge, eine funktionierende Verwaltung  
aus dem Boden zu stampfen. Block 1 und 2 des Arbeiterwohnheimes 
mussten 24 Stunden nach Befehlserteilung fuer die Internierung zur 
Verfuegung stehen, die uebrigen drei Tage spaeter.

Die Lagerinsassen sollten einer "Interniertenverwaltungsorganisation"  
unterworfen werden. Einmal eingesperrt, sollten die Auslaender einen  
"Interniertenausschuss" waehlen. Stasi-erwuenscht war eine strenge  
Lagerhierarchie, an deren Spitze ein Lagerverantwortlicher mit  
Stellvertreter, mehrere "Sektionsverantwortliche" und ihnen  
untergeordneten "Blockverantwortliche" stehen sollten. Zudem - auf jedem  
Stockwerk der dreigeschossigen Plattenbauten noch je ein  
"Etagenverantwortlicher". Mit dieser Hierarchie sollte der "maximale  
Einsatz von Internierten zu Sicherstellungs- und anderen Arbeitsleistungen=
innerhalb des Internierungslager" gewaehrleistet werden.

Entsprechend den Planungen, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den
anderen Bezirken der DDR durchgefuehrt wurden, waere das Lager unmittelbar
dem Polizeipraesidium in Berlin unterstellt worden. Mit einer Ausnahme,  
der sogenannten "Operativgruppe". Nach der "Entfaltung des  
Internierungslagers" waere diese direkt an die Befehlsstrukturen der  
Abteilung VII der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin angegliedert worden.

Der komplette Artikel ist hier zu finden (Ende der Seite)

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg - 10. Juni 2012

Ehemalige VP-Kaserne in Blankenburg – 10. Juni 2012

Das Internierungslager ist glücklicherweise nie Realität geworden, aber auch der normale Alltag läßt einem den Schauer über den Rücken laufen. Neben der 10. VP-Komanie (FDJ Grundorganisation Rudolf Tittelbach) war dort die zentrale Waffenwarkstatt des MdI stationiert. Gleichfalls befand sich dort ein Versorgungslager des PdVP.

Das Objekt unterstand dem Stellvertreter des Ministers für Versorgungsdienste (RD) im MdI. Im weiteren wurden im Objekt selber Einheiten der Zentralen Kräfte Schutzpolizei vorgehalten. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Wachen durch die 19. VP-Bereitschaft Basdorf gestellt. (Informationen aus einem Forum)

Eigentlich noch ein beruhigendes Zeichen, dass diese Relikte der Diktatur inzwischen geplündert, gebrandschatzt und sich selbt überlassen sind, ein klein wenig mehr Mahnung dürfte aber gerade an solchen Orten noch sein.

Disclaimer: Ich habe die Links in diesem Beitrag auf diesen Artikel bezogen gesetzt, identifiziere mich aber nicht mit den restlichen Inhalten der angegebenen Seiten.

Ein Lächeln

27 Feb

Man merkt es sofort. Alles ist anders. Vor dem Zebrano frühstücken die hartgesottenen Friedrichshainer schon im Freien, und auf dem Mittelstreifen des Potsdamer Platzes spielt wieder die Funkband mit der hübschen Bassistin.

Die Bassistin der Band vom Potsdamer Platz — 27. Februar 2010

Vor einer Woche noch völlig undenkbar ……

Den Rest der Band findet Ihr hier (2000 x 4600 Pixel).

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