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Farewell Longbridge, I gladly bid thee …

23 Okt

Wie das ist, wenn Automarken sterben, konnte man hierzulande gerade fast erleben, Milliardendeals haben Opel jetzt zwar temporär weitergeholfen, aber irgendjemand war immer mal da, der sagte „wer braucht denn schon OPEL?“ Ja wer …

Wir haben andere untergehen sehen. Borgward, Glas, Hanomag, was in der wilden Nachkriegszeit emporsproß und bald darauf wieder starb, füllt Bände von Automobilhistorie. Wo wir aber nicht ganz so groß drin waren, wie die Kollegen jenseits des Ärmelkanals, war das Thema Fusion, Zusammenschluß, staatlicher Einfluß und staatlicher Vollbesitz. Man stelle sich vor, die Bundesregierung hätte in den siebziger Jahren kriselnde Fahrzeughersteller in eine Firma namens Deutsch Ford gesteckt, hinter der sich Audi, Ford und meinetwegen Seat versteckt hätten und dann noch das Sagen in diesem Unternehmen gehabt. Undenkbar? Hier ja. In England nein.

Visit to Longbridge — Michael Scott, photoaddiction.co.uk

Visit to Longbridge — Michael Scott, photoaddiction.co.uk

Riley, Standard Motor Company, Triumph Motor Company, Mini, Wolseley, Austin, Morris, Vanden Plas, MG, Austin Healey, Princess,  Daimler, Rover, Jaguar, Land Rover,  Alvis, BSA. Dazu noch die Mini-Ableger Innocenti und andere Lizenzen ins Ausland.

Wow, fast die gesamte britische Autoproduktion in staatlicher Hand. Dann gabs ja nur noch Vauxhall als GM-Tochter und etwas Rolls Royce, ein paar Abfangjäger von Jensen und die aber von lange Rover abhängigen unbelehrbaren Irren aus Malvern Link, die ihre Autos auch heute noch noch mit Holz bauen.

Was draus geworden ist, ist Wirtschaftsgeschichte,  Mißmanagement par excellence und Marken, die ihren Ruf verloren, weil sie qualitativ nicht mehr bestehen konnten.

Ein paar Marken haben es geschafft, nach Irrfahrt über BMW und Ford jetzt in indische Hände zu gelangen, deutsche Hersteller haben bei den Luxusmarken zugeschlagen und eine chinesische Firma hat Rover gekauft und mit dem phonetisch sehr ähnlichen Namen 荣威 (Rong Wei) versehen.

Hat Rover was davon gehabt? Nein. Die Werke waren einfach ab sofort dicht. Nach etlichen Jahren ist ein Nachfolger des Rover 75 auf die asiatischen Märkte gekommen, der hier überhaupt nicht zulassungsfähig ist. Aber der wird in China hergestellt. Die alte Rover-Factory in Longbridge hat man einfach stehengelassen. So wie sie war, am letzten Tag, als noch MG und Rover vom Band liefen. Inzwischen werden dort in Kleinauflage noch ein paar MG zusammengezimmert, aber um den Rest hat sich keiner mehr wirklich gekümmert.

Und das war der Zeitpunkt, in dem Michael Scott jetzt ins Spiel kommt.

Visit to Longbridge -

Visit to Longbridge — Michael Scott, photoaddiction.co.uk

Selbst Monate, gar Jahre nach der Stilllegung sieht es in Longbridge aus, als ob demnächst wieder eine Karrosserie um die Ecke biegt, Lämpchen glühen, Relais knacken, abgesehen vom Sicherheitsdienst (der eher lasch an seine Aufgabe dachte), war hier aber keiner mehr. Eine untote Fabrik.

Visit to Longbridge — Michael Scott, photoaddiction.co.uk

Visit to Longbridge — Michael Scott, photoaddiction.co.uk

Das also ist das Ende. Oder war es besser mal, damals. Der grösste Teil ist inzwischen abgerissen und die flotten britischen Immobilienentwickler bauen hier — Krise hin, Krise her — inzwischen heimelige Reihenhäuschen auf dem Areal.

Michaels Besuch in Longbrigde

Aber auch der Rest seiner Suche nach versunkener Vergangeheit ist zu empfehlen, Eisenbahnen, Industrieruinen, Krankenhäuser:

photoaddiction.co.uk

Wer Blut geleckt hat, kann sich auch mal hier umsehen:

28dayslater

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