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JW die zweite

21 Okt

Passive Erfahrungen im Bashing hab ich genug, mit der Wortmeldung zu der JW-Abmahnstory habe ich mich eigentlich zum ersten Mal aktiv zu Wort gemeldet. Gab immerhin Bewegung auf meiner Seite.

Persönliches Fazit: Ich besitze nichts von JW, beurteile vor dem Kauf eher den Gebrauchswert als den Chic-Faktor, wobei ich damit nicht behaupten will, dass keine Klamotten von angesagten Labels bei mir im Schrank hängen.

Die Erfahrung zeigt, dass es immer vier Phasen in solch einem Prozess gibt: Empörung, Start der Kampagne durch die sozialen Medien, Übernahme durch den Rest der Medienwelt inklusive Print und TV, Handeln der Betroffenen, Fokussierung auf neue Themen.

Jetzt ist die Zeit zwischen Phase drei und vier. Die Schlachtschiffe hatten es im digitalen Programm, morgen kommt eine andere Neuigkeit, die Beteiligten setzen sich ans Kaminfeuer, beurteilen den Kollateralschaden und machen weiter, fast wie zuvor.

Das Problem bleibt bestehen, unter dem Tisch gibt es eventull eine Einigkeit mit Schweigegebot und die winzige Delle, die das Thema im Weihnachtsabsatz hinterläßt  — egal.

Ich bezweifle, dass es hier anders zugehen wird. Das Werbeblogger-Team (in Person von Ralf Schwarz) triff sich nächsten Montag mit CEO Hell, um die Ereignisse der Vergangenheit zu … na ja, was eigentlich? Diskutieren, als erledigt zu betrachten, abzuwägen, rückgängig zu machen?

Im Zusammenhang mit der ganzen Diskussion sind zwei Schlagworte gefallen, die vielleicht noch mal etwas näher beleuchtet werden sollten:

CSR: Corporate Social Responsibility

Das endet weder vor der eigenen Haustür, wo ohnehin nur ein Bruchteil der verkauften Ware produziert wird, noch im Umgang mit jedwedem Kunden oder jeder Person, die mit dem Unternehmen in Kontakt kommt. Das inkludiert natürlich auch Personen, mit denen unangenehme Themen zu diskutieren sind. Schuldner, 2nd-TIER (um mal aus dem Automotive zu plaudern), Leute, die gekündigt werden müssen, Leute die gegen wasauchimmer für Eigentumsrechte verstossen haben.

In diesem Zusammenhang wird in der Pressemitteilung erwähnt, dass sich das Unternehmen zusammen mit ihrem Rechtsanwälten eindeutig von der Verletzung der Schutzrechte JWs überzeugt hätten.

Zitat:
Die einzelnen Fälle wurden von Jack Wolfskin in enger Zusammenarbeit mit
Rechtsanwälten eingehend geprüft. Daraufhin wurden nur die Anbieter abgemahnt, deren Produkte die
Markenrechte von Jack Wolfskin auch wirklich verletzen.

Zitat Ende

Da bleibt die Frage, ob ein Unternehmen zusammen mit einem (seine Interessen vertretenden) Anwalt alleine festellen kann, ob hier wirklich seine ureigenen Interessen verletzt werden. Diese Feststellung sollte meiner Meinung nach ein ordentliches Gericht treffen. Gerade bei der dynamischen Auslegbarkeit des Streitgegenstands. Leider (und dieser Gesamtkomplex Kosten, Anwälte, Gerichte ist nicht meine Spezialisierung) dürfte anhand des Streitwerts kaum eine der Beteiligten in der Lage sein, das Thema bis zum Ende durchzufechten.

Schade.

Eine Solidarisierungskampagne … Mhmm, denken wir doch mal an Jako oder noch viel schlimmer an Jens Weinreich vs. DFB, was war das Ergebnis? Schwanzeinziehen und das Geld der Solidargemeinschaft dahingeben. Weinreich hat auf eine weitere Instanz verzichtet und den Rest der Spenden weitergespendet. Also entweder soviel Asche spenden, dass eine der beteiligten Dawanda-Opfer das durchziehen kann, oder aufhören. In drei Wochen ist dann der nächste dran. Das Netz kann auch vergessen!

Märchen

Kleiner, durchaus positiver Nebeneffekt dieser Angelegenheit ist die Kreativität, die hier hervorsprießt, namentlich bei der freien Pfote, die unglücklicherweise irgendwie im Registrierungswahn noch unter einer Subdomain vor sich hinvegetieren muss. Man kann Realität durchaus in Märchenform in die Welt bringen, die Kollegen aus Hannover, uuups Göttingen, uuups ausser Landes, haben es damals ja auch geschafft.

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