Backwaren ….

10 Sep

Es ist nochmal richtig schönes Wetter dieses Wochenende. Nicht so eine endlos heisser Augusttag an dem man lieber im Schatten sitzt, sondern ein warmer Septembergruss, der sich richtig Mühe gibt, einen mit leichter Brise und einer goldenen Sonne das Herz erwärmt. Also ideal für einen kleinen Ausflug in den Norden.

Man fährt nicht weit von Berlin, eine Dreiviertelstunde vielleicht, läßt gerade mal den Berliner Ring hinter sich und landet in einem Gewerbegebiet, in dem sich alles das wiederfindet, was man in Gewerbegebieten vermutet: Steinmetze, Fensterbauer und dergleichen. Mittendrin allerdings steht die Bäckerei. Etwas verloren inzwischen, denn gebacken wird hier nicht mehr, seit über zwanzig Jahren.

Die Bäckerei, Hauptgebäude — 9. September 2012

Die Bäckerei, Hauptgebäude — 9. September 2012

Geocacher und ein paar Fotografen kennen diesen Platz, die sonst üblichen Vandalenhorden haben das Gelände noch nicht entdeckt. Glücklicherweise.

Etwas beklemmend ist die Atmosphäre schon, der Betrieb ist 1940 errichtet worden, in einer für die Zeit sehr typischen verniedlichenden und Gemütlichkeit assoziierenden Architektur. Hier mußten Gefangene in der nationalsozialistischen Diktatur Brote backen. Bis zu 40.000 Stück am Tag. Kommißbrote für andere Gefangene, Weizenbrote für das herrschende Volk, vulgo Militär. Das eigentliche Volk hatte damals nichts mehr zu fressen. Von hier aus wurden täglich fünfstellige Anzahlen von Backwaren bis in den Harz, ins Lager Dora Mittelbau bei Nordhausen verschickt. Kann man sich nicht vorstellen, von außen sieht der ganze Komplex eher wie eine mittelgrosse Villa aus.

Die Bäckerei, Umkleideraum — 9. September 2012

Die Bäckerei, Umkleideraum — 9. September 2012

Im Unkleideraum finden wir noch ein paar Schuhe ansonsten sind die Schränke leer.

Die Bäckerei, Sozialräume — 9. September 2012

Die Bäckerei, Sozialräume — 9. September 2012

Von den eigentlichen Erbauern beziehungsweise der Originalausstattung findet sich hier nicht mehr viel. Der neue Staat auf diesem Territorium musste seine Bürger, Arbeiter und Bauern ja auch mit Brot versorgen. Also wurde hier weitergebacken. im Erdgeschoss stehen die Überreste von gleich zwei Backstrassen.

Die Bäckerei, Backstrasse — 9. September 2012

Die Bäckerei, Backstrasse — 9. September 2012Die Bäckerei, Backstrasse — 9. September 2012

Ski turnte nebenan rum und konnte entfesselt blitzen, ich hatte nur das Stativ dabei, etwas mehr Licht, als von draussen kam, wäre für die Bilder vielleicht auch besser gewesen, aber das machen wir beim nächsten Besuch ….

An der Backstrasse war noch relativ viel dran (soweit ich das beurteilen kann), jedenfalls die Schildchen für die diversen Hebel. Ich kann mir diesen Prozess ohnehin nicht wirklich genau vorstellen. Hinten schob man die rohen Teiglinge, die ja heute nachgewisenermassen auch China kommen, rein und vorne kommt das fertige Brot raus. Leider muss man zwischendurch immer mal wieder irgendwelche Hebel für Wrasenabzug und Schwadenbildung bewegen. Hä?

Die Bäckerei, Detail Backstrasse — 9. September 2012

Die Bäckerei, Detail Backstrasse — 9. September 2012

Etwas konventioneller (oder bekannter) sah der Ofen gegenüber aus. Hier lagen sogar noch Komißbrotformen herum. das Ofenthermometer zeigte sogar die aktuelle Temperatur im Inneren an 😉

Die Bäckerei, Detail Backofen — 9. September 2012

Die Bäckerei, Detail Backofen — 9. September 2012

Wir gehen eine Etage höher. Das Treppenhaus hat definitiv bessere Zeiten gesehen. Aber immerhin: Auch hier keine Graffittis.

Bäckerei-Die Bäckerei, Treppenhaus — 9. September 2012

Bäckerei-Die Bäckerei, Treppenhaus — 9. September 2012

Der Zweck des Dachbodens ist nicht wirklich ersichtlich, aber die Stimmung mit der offenen Luke, durch die das warme Spätsommerlicht in den dunklen Raum einströmt, ist faszinierend.

Die Bäckerei, Dachboden— 9. September 2012

Die Bäckerei, Dachboden— 9. September 2012

Gegenüber liegen vermutlich sicherheitshalber auf Vorrat besorgte Biberschwänze, um im Reparaturfall was fürs Dach zu haben. Auch hier zeigt sich im Detail ein Stück der Mangelwirtschaft der DDR. Diese quasi Ersatzteile sind nämlich nicht aus Ton, wie das, was im Original auf dem Dach liegt, sondern aus schnödem Beton.

Die Bäckerei, Dachziegellager— 9. September 2012

Die Bäckerei, Dachziegellager— 9. September 2012

Die höchste Ebene des Gebäudes ist der Sackboden. Bis hierher führt ein Aufzug, der die Mehlsäcke anlandet. Das ist der schönste aber auch gefährlichste Raum, weil einem hier hier keine Geländer oder irgendetwas ähnliches  vor dem Sturz in die Tiefe bewahren, aber hier dafür beste Bild mit der Weite des Raumes (Entschuldigung Herr Huberty) entstanden ist.

Die Bäckerei, Sackboden — 9. September 2012

Die Bäckerei, Sackboden — 9. September 2012

Ski und ich kennen uns schon lange. Wir wissen, was man dann, wenn man wieder am Auto ist, zelebriert: Einen Carajillo. Zugegeben in der Reiseversion, weil es doch sehr lästig wäre, eine ausgewachsene Espressomaschine mit sich rumzuschleppen.

2 Stück brauner Rohrzucker, einen Spritzer Veterano und frisch aufgebrühten Kaffee aus der (italienischen) Mokkamaschine – im Glas serviert!

Carajillo

Carajillo

Cheers!

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