Die neue Linie

13 Mrz

So autogeil wie ich bin, war ich ja hinter Exoten her, wie der Teufel hinter den Seelen der Ungläubigen.

250 GTO – Haken dran. Bentleys, Rolls, Lambos – gesehen! Selbst Duesenbergs und 300 SL sind mir vor die Flinte gelaufen, mehr als einmal. Und das im richtigen Leben und nicht im Museum.

Aber ein Melkus RS 1000 in freier Wildbahn ist mir nur einmal 1994 für eine Zehntelsekunde in Eisenach über den Weg gefahren.

Im Lipsiusbau in Dresden zeigt das Kunstgewerbemuseum eine kleine Werkschau über die Familie und die Firma Melkus.

Entwurfszeichnung für einen Sportwagen, Melkus KG, Dresden

Nach anfänglicher Motorsportbegeisterung im jungen sozialistischen Staat DDR (wobei man hier ja auch mal eben sechs Jahre lang mit dem gleichen Auto konkurrenzfähig blieb) wurden die Aktivitäten in Richtung Formelsport zusammengestrichen, weil schlicht Geld und Ressourcen fehlten und am Ende auch die Bevölkerung vom Rennsieg weder satt wurde, noch die sozialisitische Norm dadurch gesteigert wurde.

Ausstellungsplakat "Melkus - Die ideale Linie"

Ganz Gallien? Nein.

Motorsportbegeisterte mußten nur eben alleine zurechtkommen. Eine der ersten Zeichnungen, die von Heinz Melkus erhalten sind, zeigen die glatte Kopie eines Rennwagens von John Cooper.

Mit diesen Fahrzeugen hatte Melkus in den fünfziger Jahren, als man noch international mitfuhr auch glatt Erfolg. Tortz des Handicaps, einen dreizylindrigen Zweitakter im Heck zu haben, der die Silberzigarre mit einer leichten blau gefärbten Abgasfahne den Verfolgern den Weg zeigte.

Aber auch hier kam der Schwanengsang recht schnell. Knapp fünfzig Stück verliessen die Fabrik, dann war Ende.
Heinz Melkus hatte aber immer noch die fixe Idee, einen Sportwagen im Design der Zeit auf die Bühne zu bringen. Und nach vielen Vorstudien entstand 1968 der RS 1000, der dann offiziell zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR gebaut wurde.
Zuerst war das Fahrzeug nur für offizielle Motorsportler käuflich, später für jedermann, der einen genügend grossen Geldbeutel hatte (30.000 Mark der DDR).
Kein Wunder, dass diese Rennmaschine, die ihre gestalterischen Ursprünge sowohl im GT40 von Ford hat, wie im Ferrari oder gar im Flügeltürer-Mercedes begehrtes Gut war. Angeblich sind noch 80 von 110 gebauten Exemplaren erhalten. Eine Quote, die auch andere Exotenmarken nicht ereichen dürften.

Die kleine Ausstellung hinterläßt bei mir allerdings einen etwas zwiespältigen Eindruck. ein Rennwagen, ein RS 1000, ein Prototyp in Originalgrösse, dazu ein paar Modelle und Zeichnungen, zwei, drei Devotionalien sind für die 5 Euro Eintrittsgeld etwas wenig. Auch wenn vieles noch nie gezeigt wurde.

Melkus RS 1000, Detailentwicklung

Die größte Enttäuschung aber, ist das Fahrzeug, um das es geht, das mit hochgeklappten Flügeltüren in der Mitte der Halle steht.

Melkus RS 1600 im Lipsiusbau in Dresden

Auf den ersten Blick das Objekt der Begierde, bei genauerem Hinsehen eine Kopie. Oder besser, ein Nachbau. Schade. Das Biest hat zwar mit dem 1600er Audi-Motor bestimmt noch mehr Bums als der alte Zweitakter, ist aber eine Replik nach 2006. Was man an den wirklich besseren Details sieht. Hier sind CNC-Automaten bei der Teilefertigung dabei gewesen und nichts ist mehr richtig handgefeilt und etwas improvisiert, wie bei der Originalserie.

Einen echten RS 1000 hätte sich Dresden für diese Ausstellung wirklich leisten sollen …

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