Bw Pankow (3)

7 Mrz

35 Fußballplätze ungefähr ist die Fläche groß, die mitten in der Metropole Berlin langsam zum Biotop mutiert. Das ist nicht das einzige Areal in dieser Größe.

Wenn New York oder Paris in absoluter Innenstadtnähe eine Fläche, wie das Gelände des ehermaligen Anhalter Güterbahnhofs zur Verfügung hätten, wären die Investoren (trotz Krise) eher heute, als morgen dabei.

Glücklicherweise können wir Berliner uns noch ein ganz klein wenig an diesen Hinterlassenschaften der Industriegeschichte erfreuen, auch wenn die Bagger (siehe Gleisdreieck) langsam immer näher kommen.

Zuletzt waren wir an der Drehscheibe im Bw Pankow, jetzt geht es die ganze alte Gleistrasse zurück richtung Süden, bis wir am S + U-Bahnhof Pankow landen.

Zur Übersicht hier mal ein alter Gleisplan:

Gleisplan Berlin Pankow (Reichsbahn) von http://www.sporenplan.nl

Rechts das Rundhaus und der Lokschuppen mit Drehscheibe. Der Gleisplan ist nicht genordet.

Aus der Sicht von Google-Maps sieht das Gelände 2006 so aus. Die beiden Lokschuppen sind oben rechts in der Ecke.

Luftbild Bw Pankow — Link zu Google Maps

Die Drehscheibe liegt also jetzt hinter uns, das Rundhaus kommt in Sicht. Lokschuppen, die als Rundhaus gebaut sind, also mit einer innenliegenden Drehscheibe, sind nur für kürzere Lokomotiven geeignet, weil der Durchmesser des Gebäudes sonst zu groß werden würde. In Deutschland sind noch zwei Rundhäuser erhalten. Dieses hier in Pankow und ein weiteres in Berlin-Rummelsburg, dort wo die ICE ihre Heimat haben.

Bw Pankow, Rundhaus —28. Februar 2010

Bw Pankow, Rundhaus —28. Februar 2010

Drei weitere Fotografen und Enthusiasten hat die Sonne heute auf dieses Gelände gelockt. Manche wollen nur knipsen, andere kommen häufiger hierher, um den langsamen Verfall zu dokumentieren, der eine liebt die Übersicht, der andere mag Details, der Dritte ist sogar Rostfetischist (Hallo Bjarne), der fast nur Makrofotos macht. Ich wähle mal den Mittelweg und betrachte die eine Tür des Rundhauses etwas genauer.

Bw Pankow, Detail am Rundhaus — 28. Februar 2010

Jetzt geht es ein längeres Stück in Richtung Südwesten. Vorbei an einigen Resten von Wirtschaftsgebäuden, Fahrradschuppen, Bansen. Im Osten liegt das ehemalige Kraftwerk, das aber komplett entkernt ist, der Schornstein ist abgeklemmt und mich wundert nur, dass sich Sprayer bis in die Höhe von etwas 40 Metern getraut haben, um ihre Spuren zu hinterlassen. Mit Sicherheit ohne Sicherheit ….

Was dieses Gebäude mal gewesen ist? Vt VI steht auf dem alten Plan.  Ich kann damit nichts anfangen.

Gbf Pankow — 28. Februar 2010

Ich bin kein ausgewiesener Vogelkundler, aber ich habe das Gefühl, dass hier neben den allgegenwärtigen Krähen und Kolkraben auch eher stadtferne Vögel hier ein Zuhause gefunden haben. in einem Land, in dem wegen drei Feldhamstern der Bau ganzer Universitäten stockt (Göttingen seinerzeit), kann das vielleicht auch ein Grund sein, hier noch länger mit den Bauarbeiten zu warten.

Weit verstreut über das Gelände liegen Spundwandteile. ein dementsprechend ausgerüsteteter Bagger steht verloren in der Gegend herum. Rostiges Bohrgerät, Ketten, zeigen dass hier doch irgendwas im Schwange ist.

Gbf Pankow, neues Stellwerk — 28. Februar 2010

Das neue Stellwerk, in bewährter DDR-Hochturmtechnik gebaut (unter anderem am Grünauer Kreuz und in Großbeeren stehen die Brüder) sieht nicht besser aus, als der Rest der Gebäude auf diesem Gelände. Was brennbar war, hat irgendwann mal gebrannt.

Ungefähr in der Mitte der Strecke zwischen Heinersdorf und Pankow mal ein kleiner Rundblick:

Gbf Pankow, 180° Ansicht — 28. Februar 2010

Das Gleisbett aller ehemaligen Schienenwege ist komplett ungefähr 70cm tief ausgekoffert. Über das gesamte Gelände. Hier liegt kein Millimeter Schienenstahl mehr. Ob das wegen der schadstoffgetränkten Schwellen (Teer) war oder wegen der Hinterlassenschaften der unzähligen Lokomotiven und Wagen, weiß ich nicht.  Es wäre eine nette Offroadstrecke für Auto, Motorrad oder Mountainbike.

Ein Zirkus hat hier sein Winterquartier. Nicht zum ersten Mal. Im Lokschuppen liegen Plakate dieses Zirkus, die von 1997 stammen.

Das alte Stellwerk ist nicht wirklich besser in Schuß, als das neue ….

Gbf Pankow, altes Stellwerk — 28. Februar 2010

Entlang des Wegs stehen Brandruinen, alte Erdkeller, Fundamentreste. Ich weiß nicht, ob so etwas für Stadtarchäologen interessant ist, die wühlen aber im Moment auch lieber rund um den alex und den Schloßplatz nach kaiserlichem Porzellan, statt hier Industriekultur wenigstens ansatzweise zu dokumentieren und manifestieren.

Ich weiß, es werden täglich Lokschuppen und ganze ehemalige Betriebswerke abgerissen und es können natürlich auch wirklich nicht alle erhlaten werden, zu Mussen oder Kulturzentren umgebaut werden, aber wenn so etwas permanent sichtbares dem Abriß entgegensieht, schmerzt es doch.

Zum Ende noch ein Blick auf den ehemaligen Schuppen an der Ladestrasse. Auch ziemlich verkokelt.

Rgb Pankow, Ladestrasse — 28. Februar 2010

Das Gelände ist nicht abgeschottet, wie etwa der Anhalter Güterbahnhof. Vom S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf kommt man über die Strassenbrücke direkt auf das Gelände. Also geht los und dokumentiert, was blad nicht mehr da sein wird.

12 Antworten to “Bw Pankow (3)”

  1. Hans Reisenhofer 23. Juni 2010 um 16:31 #

    Hallo lieber Autor dieser Seite,
    mit Wehmut betrachte ich die Bilder der Anlagen des ehem. Bw und des Rbf Pankow. Gleichzeitig empfinde ich Freude darüber, das dieses Stück Eisenbahngeschichte nicht völlig in Vergessenheit gerät. Es ist auch ein Stück eigene Vergangenheit, war ich doch einige Jahre auf diesem Bahnhof, in der Hauptsache als Schichtleiter tätig. Daher verfüge ich auch über entspr. Ortskenntnisse, kann daher aus meiner Erinnerung einige Dinge ergänzen. Sicherlich wird mit dem Abstand von nunmehr 20 Jahren das Eine oder das Andere verblasst sein, aber die wesentlichen Dinge habe ich noch drauf.
    Fange ich doch mal damit an, was mir bei der Zuordnung der Bilder aufgefallen ist. Das erste ist das ehem Stellwerk Vt VI im östlichen Bahnhofskopf. Hier war die Zugbildung angesiedelt. Dieses Stw., ein mechanisches der Bauart Siemens. Aus Erzählungen ist mir bekannt, es war mit 2 Wärtern besetzt. Wie die betriebliche Aufgabenteilung war, weiß ich nicht, die Außerbetriebnahme war vor meiner Zeit. Es wurde abgelöst durch das neue Stw. Pko. Von hier wurden hauptsächlich Zugbildungsaufgaben, Bedienung der Anschlüsse Müllabfuhr, Heizwerk, Kohlen Müller und des Bw vorgenommen. Der Fahrdienstleiter war Strecken Fdl für die eingleisige Strecke Pankow Rbf – Blankenburg. Diese Strecke wurde hauptsächlich in Richtung Blankenburg befahren. Dem Fdl Pko war ein Weichenwärter zur Seite gestellt, dem die umfangreichen Zugbildungsaufgaben zufielen. Von der Bedienungsart handelte es sich um ein elektro- mechanisches Stw. der Bauart Siemens 1912. Im Stellwerksgebäude waren weiter die Aufsicht Nord, die Zugfertigsteller und die Zugabfertiger untergebracht.
    Das dritte Stellwerksgebäude ist Pkr. Hier hatte der Bahnhofsfahrdienstleiter seinen Sitz, dem auch ein Ww zur Seite gestellt war. Der Fdl hatte die gesamte Leitung des Fahrdienstes im Südteil des Bf’s. Ihm war auch das Ablaufstellwerk Vt II untergeordnet. Beide Stw. waren elektro – mechanische, der Bauart Siemens 1912.
    Der völlig „ausgekohlte“ Flachbau an der Berliner Straße beherbergte den Wagendienst, die Güterabfertigung, die Ermittlung und zu früheren Zeiten einen Güterboden. In den letzten Betriebsjahren des Rbf. Pkr war hier die Geräteverwaltung untergebracht.
    So, das war’s mal Abrisshaft und in Kürze. Wenn mehr Info’s gewünscht , dann bitte mich kontaktieren. Nun hoffe ich, das wir Ehemaligen, die hier große Leistungen für unsere Menschen erbrachten, nicht völlig in Vergessenheit geraten! Eine Anmerkung noch, in der Rbd Berlin waren wir der kleinste Rangierbahnhof, aber……der leistungsfähigste!
    Viele Grüße von Hans

  2. Hans Reisenhofer 23. Juni 2010 um 16:42 #

    Hallo lieber Autor dieser Seite,
    mit Wehmut betrachte ich die Bilder der Anlagen des ehem. Bw und des Rbf Pankow. Gleichzeitig empfinde ich Freude darüber, das dieses Stück Eisenbahngeschichte nicht völlig in Vergessenheit gerät. Es ist auch ein Stück eigene Vergangenheit, war ich doch einige Jahre auf diesem Bahnhof, in der Hauptsache als Schichtleiter tätig. Daher verfüge ich auch über entspr. Ortskenntnisse, kann daher aus meiner Erinnerung einige Dinge ergänzen. Sicherlich wird mit dem Abstand von nunmehr 20 Jahren das Eine oder das Andere verblasst sein, aber die wesentlichen Dinge habe ich noch drauf.
    Fange ich doch mal damit an, was mir bei der Zuordnung der Bilder aufgefallen ist. Das erste ist das ehem Stellwerk Vt VI im östlichen Bahnhofskopf. Hier war die Zugbildung angesiedelt. Dieses Stw., ein mechanisches der Bauart Siemens. Aus Erzählungen ist mir bekannt, es war mit 2 Wärtern besetzt. Wie die betriebliche Aufgabenteilung war, weiß ich nicht, die Außerbetriebnahme war vor meiner Zeit. Es wurde abgelöst durch das neue Stw. Pko. Von hier wurden hauptsächlich Zugbildungsaufgaben, Bedienung der Anschlüsse Müllabfuhr, Heizwerk, Kohlen Müller und des Bw vorgenommen. Der Fahrdienstleiter war Strecken Fdl für die eingleisige Strecke Pankow Rbf – Blankenburg. Diese Strecke wurde hauptsächlich in Richtung Blankenburg befahren. Dem Fdl Pko war ein Weichenwärter zur Seite gestellt, dem die umfangreichen Zugbildungsaufgaben zufielen. Von der Bedienungsart handelte es sich um ein elektro- mechanisches Stw. der Bauart Siemens 1912. Im Stellwerksgebäude waren weiter die Aufsicht Nord, die Zugfertigsteller und die Zugabfertiger untergebracht.
    Das dritte Stellwerksgebäude ist Pkr. Hier hatte der Bahnhofsfahrdienstleiter seinen Sitz, dem auch ein Ww zur Seite gestellt war. Der Fdl hatte die gesamte Leitung des Fahrdienstes im Südteil des Bf’s. Ihm war auch das Ablaufstellwerk Vt II untergeordnet. Beide Stw. waren elektro – mechanische, der Bauart Siemens 1912.
    Der völlig „ausgekohlte“ Flachbau an der Berliner Straße beherbergte den Wagendienst, die Güterabfertigung, die Ermittlung und zu früheren Zeiten einen Güterboden. In den letzten Betriebsjahren des Rbf. Pkr war hier die Geräteverwaltung untergebracht.
    So, das war’s mal Abrisshaft und in Kürze. Wenn mehr Info’s gewünscht , dann bitte mich kontaktieren. Nun hoffe ich, das wir Ehemaligen, die hier große Leistungen für unsere Menschen erbrachten, nicht völlig in Vergessenheit geraten! Eine Anmerkung noch, in der Rbd Berlin waren wir der kleinste Rangierbahnhof, aber……der leistungsfähigste!
    Viele Grüße von Hans

    • Marcel W. 24. November 2010 um 17:53 #

      Hallo Hans,
      Ich würde mich sehr darüber freuen wenn du noch mehr über das BW erzählen könntest, da ich zur Betriebszeit des BW noch nicht gelebt habe. Vieleicht können wir mal zusammen das Gelände besuchen

      Mit freundlichen Grüßen
      Marcel W.

  3. Marcel W. 24. November 2010 um 17:49 #

    Hallo lieber Autor,
    Ich habe vor das BW unter Denkmalschutz anzumelden, damit es nicht mehr abgerissen werden kann. Wenn das geshafft ist werde ich versuchen Investoren zu finden die daraus ein Museum erschaffen. Mit ein bisschen Glück lässt sich das alte BW doch noch retten.

  4. Fritz Kleiner 24. Januar 2011 um 10:23 #

    Das Areal südwestlich des Bahnhofes Pankow-Heinersdorf ist (erneut) planiert worden, Vegetation weitgehend beseitigt, Fauna erledigt – schade – auf wessen veranlassung? F.

  5. Pötzsch, Gerold F. 9. März 2011 um 19:13 #

    Habe ich schon im Beitrag zwei abgegeben. Hier trifft das Gleiche zu.

  6. Regina Paschke 19. November 2011 um 19:21 #

    Hallo Hans Reissenhofer und die anderen,

    würde gerne einen Bericht für die Abendschau (rbb) über das verfallene Gelände und seine Geschichte machen. Freue mich über Leute, die das Gelände kennen und mir zeigen könnten.
    Gruß
    Regina Paschke
    regina.paschke@rbb-online.de

    • rottenrails 19. November 2011 um 19:32 #

      Sie haben Post.

  7. Dean B. 21. Oktober 2012 um 18:52 #

    Wer heute an gleicher Stelle steht wird nichts mehr finden. PKO, PKR und PKS sind Geschichte. Der Rundschuppen soll auch abgerissen werden. Vom BW wird es dann auch nichts mehr geben. Ich betrachte es noch mehr mit Wehmut, da ich 1980 dort AZUBI (Lehrling) war und den Bahnhof gut kannte. PKO hatte ich auch mal reingeschnuppert.

    Mich würde der komplette Gleisplan interssieren

    Gruss Dean

    • rottenrails 22. Oktober 2012 um 12:37 #

      Ich habe den Link zu sporenplan.nl aktualisiert. einfach auf das Bild mit dem Ausschnitt des Gleisplans klicken.

      // rr

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