Bw Pankow (1)

1 Mrz

Der Schnee ist weg, es wird wieder Zeit, mal nachzusehen, was der Winter von dem einen oder anderen Fleck Berliner Eisenbahngeschichte übrig gelassen hat.

Nach dem Regen am Sonntag mittag kam die Sonne raus, der S-Bahn-Weg nach Heinersdorf war kurz.

In der Presse steht ja immer wieder, dass das Gelände endlich erschlossen wird und ein Einkaufszentrum, einige Möbelhäuser, viele Parkplätze und alles was der geneigte Berliner sonst noch braucht hier entstehen werden.

Bevor das also passiert, will ich den jetzigen Zustand doch lieber nochmal festhalten. Die Zugänglichzeit zu den Gebäuden ist mal gegeben, mal wieder nicht. Im September war ales offen, jetzt kommt man in das Rundhaus grad mal wieder nicht ohne Verrenkungen herein, also kommt das beim nächsten Mal dran.

Der Ringlokschuppen ist zwar im Inneren arg verwüstet, aber immer noch besser im Schuß, als manche andere Zeitgenossen.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Dass hier mal Dampfbetrieb stattgefunden hat, ist schwer vorstellsbar, dazu fehlt auch zuviel an Hinterlassenschaften. Aber, das der Schuppen voll mit Taiga-Trommeln war, das ist schon vorstellbar. Letztendlich sind an den vier östlichsten Gleisen auch noch Masten eines Fahrdrahtes sichtbar, Elektro-Lokomotiven hats hier also auch gehabt.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Kranschienen, die gesamte Deckenbeleuchtung, Schilder, Hebezeuge. Vieles ist noch da. Man merkt, das der Schrottpreis wieder im Keller ist.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Rudimentäre Reste von Elektrik, Pneumatik, Dampfheizung, Abluft sind noch allerorten zu finden. Wenn man das hier abreißt, ist es in einem zehn Mal besseren Zustand als Beelitz-Heilstätten, das genausolange schon zerfällt.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Leier findet man sehr wenig Bilder aus der Zeit, als hier noch voller Betrieb war, ein paar natürlich, verläßlich, bei Gerd Böhmer. Link dazu am Ende.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Das Gelände ist beliebt, Fotografen, Hundespaziergänger, Abenteurer, Vietnamesen, die hier irgendwo Zigaretten in Erdbunker verstecken.

Ringlokschuppen im Bw Pankow — 28. Februar 2010

Ich könnte mir hier sehr gut eine gruselige Tatort-Folge vorstellen ….

Bilder aus früheren Zeiten: Gerd Böhmer

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4 Antworten to “Bw Pankow (1)”

  1. Linus 5. März 2010 um 08:13 #

    Schöne Dokumentation. Hab vor vielen Monaten, wo es jedenfalls warm war, auch einige Fotos von dem Areal gemacht, die ich mal rauskramen werde. Dann gibts natürlich einen Link und die Leute können vergleichen 😉
    Bin gespannt, was mit dem Bw passiert in nächster Zukunft…

  2. Gleis-Entroster 29. März 2011 um 20:15 #

    Als ehemaliger Lokführer des Bw Pankow kann ich mich bei einer Vorbeifahrt an den durch Vandalismus zerstörten Anlagen nur traurig abwenden, schließlich kenne ich das Ganze noch bei vollstem Betrieb (inkl.Rangierbahnhof). Im Rundschuppen wurden damals die kleineren Lokomotiven gewartet oder repariert und im Halbrundschuppen die „großen“ Loks (BR 120,211/242,110 später noch die 132, 250 & 243) habe bewusst die alte DR-Bezeichnung gewählt, weil man zu dieser Zeit noch gern zur Arbeit gegangen ist. Im Bw kam man sich wie in einer großen Familie vor. Heute sind wir „Pankower“ in sämtliche Richtungen verstreut (ob bei der Berliner S-Bahn oder bei einer Privatbahn bzw. noch in irgendeinem Geschäftsbereich der DB. Angeblich wurde der Rundschuppen als Baudenkmal (selten in Europa) deklariert, nun sieht er fast so runtergekommen aus wie der Rundschuppen in Rummelsburg. Alles traurig! 175 Jahre deutsche Eisenbahn, was ist davon geblieben! Nichts, auf was man unbedingt stolz sein muss!

  3. Mathias Kuhlewind 30. August 2012 um 17:11 #

    29. August 2012: Bin heute durch ein Loch im Zaun aufs Gelände gekommen. Der Zustand der gesamten Anlage ist ein Trauerspiel. Vandalismus und Raubbau haben ihr Unwesen getrieben. Von Kran- und Hebezeugen ist nichts mehr da. Es klaffen Löcher im Dach des Ringschuppen, es hat lange Zeit reingeregnet, in den Revisionsgruben steht 50 – 60 cm hoch das Wasser. Was zerstört werden konnte, wurde zerstört. Auch in den übrigen Gebäuden drumrum wurden Fensterverkleidungen rausgerissen, Scheiben zerbrochen. Manches Loch dient wohl Obdachlosen oder Junkies als Unterkunft. Vom Geiste einer alten, werktätigen Zeit ist nichts mehr erkennbar. Und das soll ein eingetragenes Denkmal sein? Wo bitte ist die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks? Die ist nämlich zuallererst zuständig? Das alles interessiert keinen Bezirksverordneten? Traurig, traurig……!!!

Trackbacks/Pingbacks

  1. rottenrails - 13. März 2011

    […] dem generelen Strukturwandel und auch der Wiedervereinigung zum Opfer gefallen, an einigen Stellen (BW Pankow) kann man noch die Ausdehnungen ahnen und manches hat sich der Mensch sogar bewahrt. Wie das […]

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