Archiv | November, 2009

short vacancy

21 Nov

gone fishing

… bis Anfang Dezember. Kommentare werden wohl nicht moderiert.

in uneigener Sache …

19 Nov

Berlin Kalender auf das Jahr 2010 von grapf

Schicke Bilder vom Kollegen Heppel, der nix davon weiß, dass ich das hier promote (er mag mir ein Exemplar zusenden), den ich aber Klasse finde, weil er mein Interessenportfolio komplett abdeckt und die Stadtbahn vom Ostkreuz bis zur Warschauer Strasse ebenso wie ich als sein Jagdgebiet für coole Bilder sieht.

She is waiting #7

19 Nov

She is waiting — Potsdamer Platz, 18. November 2009

Mitte mon Amour

18 Nov

Ein U-Bahnhof mit Namen „Stadtmitte“. wer hier aussteigt, erwartet,  zumindest dem Namen gemäß sich im Zemtrum der jeweiligen Metropole zu befinden. In Frankfurt oder Hamburg, in Rom oder gar Moskau mag das funktionieren, in Berlin hingegen …

Probieren wir es andersherum: Was muss gegeben sein, damit ich einen geografischen Punkt mit einem eindeutigen Namen versehe? Ein Bezug! Okay. Da kommt aber vorher noch was anders ins Spiel. Der Bezirksname. Berlin, das wissen wir alle, ist 1920 sozusagen zwangsvereinigt worden. Da konnten die Charlottenburger mit ihrem Prachtrathaus, damals zugegebenermassen die reichste Stadt Preussens, meckern wie sie wollten, sie wurden mit den Tempelhofern, den Rixdorfern, den Spandauern (die auch ein fesches Rathaus hatten) zu Gross-Berlin zusammenvereint.

Eine echte Großstadt. Die muss natürlich auch ein Zentrum haben, eine reale Stadtmitte! Das war damals kein so großes Problem. Das gerade per Maschinengewehr pulverisierte Gebiet um Spittelmarkt, Kochstrasse, Friedrichstrasse, das Zeitungsviertel war per se das Zentrum. Und blieb es bis 1945.

Dummerweise gab es hier auch die oben erwähnte U-Bahnstation mit dem klingenden Namen Stadtmitte.

Nach 1945 hielt hier für eine Reihe von Jahren noch die U-Bahn wieder, bis im August 1961 auch damit wieder Schluß war. Die Stadtmitte existierte einfach nicht mehr. War ja auch nicht so einfach. Die Mitte welcher Stadt wollte man hier beschreiben? Die Mitte der Hauptstadt der DDR sicherlich nicht. War ja schon sozusagen Grenzgebiet. Die Mitte von Berlin (West) logischerweise auch nicht. Also gar keine Mitte. Punkt. War ja auch inzwischen ein Geisterbahnhof, an dem die Bahnen durchfuhren von West nach West.

Am nördlichen Rand von Kreuzberg drohte in den sechziger Jahren neues Ungemach. Axel Springer ließ von seinem Verlagsgebäudeneubau westliche Nachrichten in die SBZ herüberflimmern. Ungemach. Also ließ die DDR damals das ungeheuer riesige Brachgelände (wer mag, kann sich die Gebäudeschäden aus dem Krieg hier ansehen), das fürs freie Schußfeld benötigt wurde, mit einigen Hochhäusern zupflastern, die heute noch die Gemütlichlkeit der siebziger Jahre widerspiegeln.

Soweit die Vorgeschichte. Jetzt sollte man aber denken: Man ja, aber die Mauer ist doch schon seit gefühlten drei Ewigkeiten weg?

Die Realität belehrt uns hingegen, dass das zwar eine Tatsache ist, aber an den Zuständen in Mitte nicht viel geändert hat.

Berlin Mitte, Krausenstrasse — November 2009

Schutt und Ruinen. Wendet man den Kopf ein wenig nach links, glänzt der Axel-Springer Verlag aus dem benachbarten Kreuzberg.

Gut, das kann ja mal vorkommen, dass ein Grundstück, ein Gebäude aufgrund von, sagen wir mal, Erbschaftsproblemen nicht weitergenutzt werden kann. Gehen wir also mal ums Eck.

Berlin Mitte, Mauerstrasse — November 2009

Na ja, an der Mauerstrasse sieht es nicht viel einladender aus. Dreht man hier den Kopf, sieht man das Volk am Checkpoint Charlie, aber eine Stadtmitte sollte doch eventuell etwas mehr Charme bieten, als die paar abgestorbenen Grashalme hier?

Ein Wechsel der Strassenseite ist wohl jetzt angesagt, auf dem nördlichen Ufer der Leipziger muss es doch der Fortschritt schon etwas weiter sein!

Leipziger Strasse 125, Berlin Mitte — November 2009

Auch hier sieht es nicht gerade einladen aus. Auf der o.a. Karte ist die Hausnummer 125 das einzige Gebäude, was den Krieg ohne grössere Schäden überstanden hat. Hierbei handelt es sich um ein dem Bundesministerium der Finanzen (ehemals Reichsluftfahrtministerium) gegenüberstehendes Gebäude, mit der Nutzung durch das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, später Reichsverkehrsministerium und dann Generaldirektion der Deutschen Reichsbahn. Gebaut im Jahre 1894 durch den Architekten Paul Kieschke. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, befindet sich im Eigentum des Bundes und wird für Umzüge noch weiterer Bundesministerien in Vorhaltung bewahrt. Großartig.

Ein paar Schritte weiter in der Wilhelmstrasse sprüht alter DDR-Charme über den Boulevard, die tschechische Botschaft grüßt vom Strasseneck und mein Blick bleibt wieder hängen ….

Wilhelmstrasse Ecke Leipziger Strasse, Berlin Mitte — November 2009

Gut. Das ist also Mitte. Stadtmitte von Berlin. Urbanes Zentrum? Never. Ich breche hier jetzt also ab, von ferne weht der Union Jack ein wenig den Hauch stadtmittelpunktähnlichen Lebens herüber, ich verzichte auf eine weitere Dokumentation des potemkischen Leipziger Platz von hinten, das hat die Berliner Presse heute bereits umfangreich getan, behalte diese Ödlandschaft mal in meinem Gedächtnis und suche mir jetzt bei dem kalten Novemberwetter einen Platz, an dem man mir einen guten Kaffee kredenzt.

Mon amour — das liebenswerte an dieser Gegend ist, dass man hier mitten in der Mitte auch absolut allein sein kann. Und die Zeit sehr langsam ist.

Trees

18 Nov

Der liebe Gott läßt so manches nicht ungestraft in den Himmel wachsen, aber wir können es tun. Im Handumdrehen, sogar ganze Bäume.

Ich habe die Scriptfähigkeit der CS-Familie lange nicht beachtet, ein oder zwei kleine Sachen für Acrobat Pro mal ausprobiert, die Begeisterung für Java-Scripte kam jetzt erst auf, als ich die japanische Seite von S.H mit ein paar simplen, aber sehr efektvollen und arbeitserleichternden Tools gefunden habe.

Passend zur Jahreszeit bauen wir uns also einfach ein paar trostlose, nackte Bäume in unseren Illustrator und das sieht dann so aus.

Kahle Bäume — erstellt mit Ilustrator Script

Das Script ist denkbar einfach aufgebaut und läßt sogar dem orientierungslosen User Spielraum für Modifikationen:

// Create the tree shape
 var pathRef = piRef.add();

 // I got the list of these points by first drawing the tree in Illustrator
 // I then displayed all point coordinates of the path using a script
 pathRef.setEntirePath( new Array(
 new Array(266.4619140625, 370.3046875),
 new Array(269.5244140625, 370.3046875),
 new Array(268.9619140625, 377.138671875),
 new Array(278.607421875, 375.66015625),
 new Array(273.607421875, 381.53515625),

Im oben abgebildeten Code kann man die Koordinaten der Usprungszeichung etwas wilder oder zahmer machen.

// Make a 50 trees
for ( i = 0; i != 50 ; ++i )

Oder hier die Zahl der Äste anpassen.

Dieses Script ist Teil einer Sammlung von Hiroyuki, der hier auf japanisch und hier auf englisch seine vielfältigen Scripts zum Download anbietet und auch komentiert. Ich habe die Scriptsammlung auf Illustrator CS2 Mac ausprobiert und alles zum Laufen bekommen.

Experiment

18 Nov

Search request: the answer to life the universe and everything

Auf dem Friedhof der Neonröhren

16 Nov

Was passiert eigentlich mit Werbung, wenn sie nicht mehr gebraucht wird? Klar, Zeitungsbeileger, alles was am Samstag den Briefkasten verschmutzt, die Schweinebauchseiten, die wirft man eigentlich in den Papierkorb.

Etwas anders sieht es aus, wenn man von mannshohen Leuchtbuchstaben redet. Die landen im Schrott, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Hertie etwa. Gerade in die Pleite abgewickelt, sind sämtliche Insignien dieser Marke natürlich nichts mehr wert. Also weg damit, in drei Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern.

Wenn da nicht die Truppe um Barbara Dechant und Anja Schulze vom Buchstabenmuseum wäre, die sich genau diesem Genre verschrieben hat. Sie sammeln Buchstaben und Schriftzüge von alten Lichtreklamen und anderen markanten typografischen Landmarken.

Buchstabenmuseum-Hertie

Hertie-Logo im buchstabenmuseum — irgendjemand hat am kleinen e geknabbert ...

Lange Zeit ist er einem förmlich entgegengekommen, wenn man die Leipziger Strasse Richtung Alex gefahren ist — der markante gelbe Schriftzug von Ebbinghaus, dort, wo die Strasse einen leichte Linkskurve machte. Eines Tages war er nicht mehr da. Weil das ganze Gebäude abgerissen wurde. Ebbinghaus war, nebenbei erwähnt, ebenso pleite, wie Hertie. Und wo sist die grosse Leuchtwerbung geblieben? Praktischerweise fast an Ort und Stelle, nur leider etwa derangiert.

Das Buchstabenmuseum in Berlin ist ein Ort an einem Unort. In der Leipziger Strasse 49, nur über einen Seitengang zu erreichen, in einem Stadtviertel, der mehr als tot ist, wo Axel Springer über die ehemalige Randbebauung der Hauptstadt der DDR lugt, liegen im Schaudepot typografische Schätze und warten auf eine Wiederbelebung.

Buchstabenmuseum-Ebbinghaus

Überblick Schauraum 1 im Buchstabenmuseum Berlin — Klick macht gross (6 MB)

Das Schaumuseum umfaßt nur zwei Räume in denen eine unglaubliche Vielfalt von Buchstaben und anderen schriftgestalterichen Schätzen. Aufgrund der technischen Vorgaben überwiegen zwar die Sans Serif-Schriften, aber auch das eine oder andere Beispiel aus der Fraktur liegt hier herum. Man muss sich einfach trotz der Enge die Zeit nehmen, um eine kleine Reise in die Vergangenheit zu machen. Die alte Beschriftung des Hauptbahnhofs von Berlin (heute Ostbahnhof) liegt neben der U-Bahn-Leuchtschrift vom Bahnhof Frankfurter Tor. Blaupunkt findet sich neben AEG und die berühmten Zierfische finden sich in illustrer Gesellschaft der gebrochenen Typo der Zille-Stuben.

Buchstabenmuseum-Sammelsurium

Buchstabenmuseum Berlin, Sammelsurium — Klick macht gross (6 MB)

Wer also an dem einen oder anderen Sonnabend Zeit hat, sollte ruhig mal eine Stunde Zeit einplanen, um bei den stummen Zeitzeugen der vergangenen Reklamewelt eine kleine Pause einzulegen.

Buchstabenmuseum — Detail

Es lohnt sich, den Blick ein wenig von der Gestaltung weg zur Technik zu machen, denn es ist fast Tand, das Gebilde von Menschenhand, das aus der Nähe betrachtet nichts von der Faszination zeigt, die bei Betrachtung aus der Ferne bei Dunkelheit wirkt.

Drähte, Kabel, filigrane selbstgebastelte Halteklammern, handgebogene Bleche und natürlich mundgeblasene Neonröhren. Das ist der Charme einer Zeit, die zusehends von LED-Leuchten abgelöst wird. LEDs sind leichter und billiger zu verarbeiten, verbrauchen weinger Strom und werden wahrscheinlich in absehbarer Zeit die letzten Neonreklamen ablösen.

Damit sind dann auch die Zeiten vorbei, in denen der Held aus B-Movies in Hotelzimmern vor flackernder oder gar funkensprühender Reklame posiert.

Buchstabenmuseum Berlin, wechselnde Öffnungszeiten, Details siehe Homepage

 

 

Nachtrag … die abgefressene Hertie-Schrift ist dem Stitcher von Photoshop zu verdanken, der aus den drei Einzelbildern etwas … sozusagen … unvorhergesehenes gezaubert hat.

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