Zeichen in der Stadt
Schrift ist schon was wunderbares, Kulturschatz. Gegenstand von Lehrstühlen, in denen der korrekte Umgang, Geschichte und Weiterentwicklung gepredigt wird. Schrift ist Kommunikation, Werbung, Aussage. Schrift brüllt, ist dezent (beim hellgrauen Kleingedruckten in 6 Pt Grösse in Verträgen), sie ist lässig, wird gequält, ändert sich im Zeitgeist.
Jeder weiß was über Schrift (ich auch …), wie man sie benutzt, was man läßt oder betont. Es gibt jeden Tag neue Schriften, kostenlose, teure, Fontshop, Myfonts. Schrift ist überall.
Zeichen der Stadt fallen vielen kaum noch auf. Buchstaben sind allgegenwärtig, wir kennen Logos, Schriftzüge, Schlecker verbläut selbst Kleinstädte, Markenlogos, standardisiertes Design von Tchibo bis H&M. Aber die kleinen Einzelhändler, vierundzwanzig-Stunden-Läden, kettenlosen Bäckereien müssen dagegen angehen, ihre eigene Welt der Schriftgestaltung ist es, die mich hier interessiert.
Bei genauerem Hinsehen bemerkt der Flaneuer, der aus seinem Kiez auch mal rauskommt, dass Berlin typografisch einteilbar ist. Auf meinen Streifzügen durch Ost, West, Wedding, F’hain, Kreuzköln nehme ich immer mal wieder was mit.
Nebenbei, das hier ist keine Typokritik sondern eher eine Art Bestandsaufnahme. Ich habe die leise Befürchtung, dass manches schon bald nicht mehr existiert.
1.) Neukölln
Es wird mit Klebefolie und Cuttern gestaltet, gängiges Arbeitsmittel sind Isolierband und Nagelschere, ich finde es auch in Ordnung, wenn im Versalsatz manchmal ein “ß” auftaucht, wenn wir alle alles akademisch über die Bühne bringen würden, herrschte Langweiligkeit in diesem Land.
Als nächstes knöpfen wir uns mal die Bergmannstrasse vor und sehen nach, ob Jürgen Siebert Ordnung in seinem Kiez hat, wie er ja immer behauptet!












